»Ist der auch echt?«
Ohne jede weitere Beteuerung öffnete Tom den Mund, um die Lücke zu zeigen.
»Na, gut,« meinte Huck, »also abgemacht, schlag' ein!«
Tom barg die Wanze vorsichtig in einer kleinen Schachtel, die ähnlichem Gewürm schon öfter zum Gefängnis gedient und immer für vorkommende Fälle in Toms Tasche bereit war. Huck sackte den Zahn ein und beide Jungen trennten sich, jeder in dem erhebenden Bewußtsein, einen sehr guten Tausch gemacht zu haben.
Als Tom das kleine, einzeln gelegene Schulhaus erreichte, öffnete er hastig die Thüre und eilte auf seinen Platz, als käme er eben mit größtmöglicher Geschwindigkeit direkt von zu Hause angestürzt. Geschäftig hing er seinen Hut an den Nagel, warf die Bücher auf den Tisch, sich selbst auf die Bank und machte Miene, sich Hals über Kopf in die Arbeit zu stürzen. Der Lehrer, der hoch oben hinter dem Katheder auf einem hochlehnigen Rohrsessel thronte, und der bei der Stille, die das eifrige Summen der lernenden Kinder nur noch einschläfernder machte, ein klein wenig eingenickt war, erwachte von der Unterbrechung:
»Thomas Sawyer!«
Als Tom diesen seinen Namen in unverkürzter Schönheit an sein Ohr schlagen hörte, wußte er, daß es nichts Gutes bedeute.
»Herr Lehrer!«
»Komm einmal hierher zu mir. Warum bist du wie gewöhnlich wieder zu spät dran?«
Eben wollte Tom irgend eine kleine Notlüge zu Hilfe nehmen, als er zwei lange, blonde Schwänze gewahrte, die an einem Rücken niederbaumelten, den er sofort mit dem elektrischen Instinkt der Liebe erkannte. Und neben jenem Rücken war der einzig leere Platz, bei den Mädchen drüben. Schnell gefaßt sagte er daher: