Nach einer anderen gedankenvollen Pause fragte Tom:
»Huckchen, bist du sicher, daß du reinen Mund halten kannst?«
»'s bleibt uns einfach gar nichts andres übrig, Tom. Das siehst du doch selbst. Der Teufel von Indianerbrut schmisse uns ins Wasser, wie ein paar Katzen, wenn wir nur davon mucksen wollten und er nicht richtig drauf gehenkt würde. Hör' mal zu, Tom, wir müssen's uns gegenseitig zuschwören, das müssen wir thun, schwören, daß wir nichts ausplappern!«
»Ist mir recht, Huck. 's wird wohl das beste sein. Heb' die Hand auf und schwör' –«
»Nee, Tom, so leicht geht das nicht! Das ist freilich gut genug für kleine, lumpige Sachen, – besonders, wenn man was mit Mädchen hat, die dummen Dinger verklatschen einen doch immer, wenn sie mal in der Patsche sitzen, – bei so was Großem aber, wie das, muß was Schriftliches dabei sein – und Blut!«
Tom war mit Leib und Seele bei dieser Idee. Sie war tief, düster, unheimlich, – mit der Zeit, dem Ort, den Umständen im Einklang. Er hob eine reine Holzschindel auf, die dort im Mondlicht lag, nahm ein Endchen Rotstift aus der Tasche, setzte sich so, daß der Mond die Schindel beleuchtete und kritzelte darauf folgende Zeilen, jeden Grundstrich mit einem krampfhaften Druck der Zunge gegen die Zähne betonend, der bei den Haarstrichen mechanisch nachließ:
»Huck Finn und Tom Sawyer, die schwören, daß sie hierüber den Mund halden wollen und wollen auf der stelle tot umfallen, wann sie's jehmals ausblautern.«
Huckleberry war voll Staunen und Bewunderung ob Toms Gewandtheit im Schreiben und der Erhabenheit seines Stils. Flink zog er eine Stecknadel aus seinem Jackenfutter und wollte sich eben sein Fleisch ritzen, als Tom rief:
»Wart', thu's nicht. So 'ne Nadel ist von Messing und da könnt' Grünspan dran sein.«