Auf einmal fühlte ich, daß mir der Atem stockte; ich hielt Tom am Arm fest und mein Herz pochte wie ein Schmiedehammer.
»Da ist es!« rief ich; wir sprangen hinter einen Busch und Tom flüsterte:
»St! – Mach’ keinen Lärm.«
Es saß gerade am Ende der kleinen Waldwiese auf einem Holzblock und stützte den Kopf in die Hand. Vergebens bemühte ich mich, Tom zur Flucht zu überreden; er rührte sich nicht vom Fleck, denn er meinte, vielleicht würde er sein Lebtag keine so günstige Gelegenheit mehr haben, ein Gespenst zu sehen, deshalb wollte er dieses nach Herzenslust betrachten und wenn es sein Tod wäre. So blieb ich denn auch da und riß die Augen auf, obgleich mir’s gar nicht wohl dabei zu Mute war.
»Der arme Jack,« raunte mir Tom zu, denn schweigen konnte er nicht; »alle seine Sachen hat er an, wie er’s uns vorausgesagt hat. Auch das Haar hat er sich kurz geschoren. Daß ein Gespenst so natürlich aussehen könnte, hätte ich nie gedacht.«
»Ich auch nicht; man würde es überall wiedererkennen.«
»Ganz wie bei Lebzeiten. Und am meisten wundert mich noch, daß es bei Tage umgeht. Die andern kommen immer erst nach Mitternacht zum Vorschein. Du, Huck, mit dem ist’s nicht ganz richtig; es hat kein Recht, sich jetzt hier herumzutreiben, das kannst du mir glauben. Jack wollte sich taubstumm stellen, weil ihn die Nachbarn sonst an der Stimme erkannt hätten. Meinst du, das Gespenst würde das auch thun, wenn ich’s jetzt anriefe?«
»Tom, ums Himmels willen, du wirst doch so was nicht wagen!«
»Sei nur ganz ruhig, ich denke nicht dran. Aber, was ist das – jetzt kratzt es sich am Kopf – ein Gespenst kann’s doch nicht jucken, das ist ja aus lauter Dunst! Wahrhaftig, Huck, ich glaube, es ist gar kein wirkliches Gespenst, es müßte doch sonst –«