Der alte Mann jammerte und weinte, er sagte, er sei ein Mörder, er trüge das Kainszeichen und brächte seine Familie in Schande und Schmach. Seine Missethat würde entdeckt werden und ihn an den Galgen bringen.
»Davon ist gar keine Rede,« sagte Tom. »Du hast ihn gar nicht umgebracht. Ein einziger Schlag ist nicht gleich tödlich. Den Mord hat ein anderer begangen.«
»Nein, ich habe es gethan, sonst niemand. Wer hätte auch außer mir etwas gegen ihn haben sollen?«
Er sah uns an als hoffte er, wir würden jemand nennen können, der dem harmlosen Menschen grollte; allein das war vergebens, wir mußten alle verstummen. Als er das sah, überfiel ihn die Trauer von neuem; seine jammervolle Miene war zum erbarmen.
»Aber halt,« rief Tom plötzlich, »jemand muß ihn doch begraben haben. Wer kann das denn –«
Weiter kam er nicht. Ich wußte wohl warum, und es überlief mich kalt. Hatten wir doch beide Onkel Silas in jener Nacht mit der langen Schaufel über der Schulter gesehen. Auch Benny mußte ihn bemerkt haben; sie hatte einmal etwas davon erwähnt. Tom war nun eifrig bemüht, Onkel zu überreden, daß er sich nicht verraten solle; wir andern stimmten ihm bei und sagten, wenn Onkel schwiege, würde man es nie erfahren und er dürfe sich nicht selbst anklagen, weil es uns allen das Herz brechen würde, wenn ihm ein Leid geschähe. Es würde niemand Nutzen bringen und die Seinigen nur unglücklich machen. Zuletzt versprach er es denn auch und wir suchten ihn nun nach Kräften zu trösten und aufzuheitern. Ueber der ganzen Sache würde bald Gras wachsen, sagten wir, und kein Mensch würde mehr daran denken. Gegen Onkel Silas Verdacht zu schöpfen könne niemand auch nur im Traum einfallen; er stehe in viel zu gutem Ruf und sei so lieb und freundlich gegen jedermann.
»Ueberlegt es doch nur,« sagte Tom mit großem Nachdruck, »es liegt ja auf der Hand: Seit so und so vielen Jahren ist Onkel Silas hier Prediger gewesen ohne einen Pfennig Gehalt; alles mögliche Gute hat er gethan, von Alt und Jung wird er geliebt und geachtet. Wie sollte er, der friedliebendste Mensch von der Welt, der sich nie in fremde Angelegenheiten gemischt hat, dazu kommen, sich thätlich an jemand zu vergreifen? Es kann gar kein Argwohn gegen ihn entstehen; das ist ebenso gut ein Ding der Unmöglichkeit wie – –«
»Im Namen und Auftrag des Staates Arkansas verhafte ich Euch als den Mörder des Jupiter Dunlap,« rief in diesem Augenblick der Sheriff an der Thür.
Es war furchtbar. Tante Sally und Benny klammerten sich weinend und schreiend an Onkel Silas und wollten ihn nicht fortlassen; auch die Neger liefen heulend herbei, es war ein herzzerreißender Auftritt und ich machte, daß ich zum Haus hinauskam.