Ich glaubte ihm das nicht, aber trotzdem lief mir eine eiskalte Gänsehaut über den Buckel. Ich wußte aus eigener Erfahrung, daß man zu einer solchen Strecke auf einem Floß den Mississippi herunter beinahe zwei Wochen gebraucht.

»Seht mal!« belehrte Tom uns. »Der Zeitunterschied beträgt für jeden Längengrad ungefähr vier Minuten. Fünfzehn Grade machen ’ne Stunde, dreißig zwei Stunden usw. Wenn sie in England Dienstag morgen um ein Uhr haben, so ist es in New York Montag abend um acht.«

Jim rückte auf seiner Bank ein Stück von Tom ab, und man konnte ihm ansehen, daß er beleidigt war, denn er schüttelte fortwährend den Kopf und brummte vor sich hin; ich schob mich darum nahe zu ihm heran und tätschelte ihn auf die Beine und gab ihm gute Worte und brachte ihn denn auch schließlich so weit, daß er seinen Gefühlen Luft machte.

»Massa Tom!« sagte er. »Quassel Sie nix sowas! Dingsdag auf’m einen Ort un Mondag auf’m annern, un beides auf’m selben Dag! Huck, hier is nix gut zu spaßen, hier ganz oben, oben in die Luft! Zwei Dage auf einen Dag?! So? Wie kriegt man denn zwei Dage in einen? Kann Sie zwei Stunden in eine kriegen, häh? Kann Sie zwei Nigger in eines Niggers Haut kriegen, häh? Kann Sie zwei Maß Whisky in ’ne Kruke kriegen, wo bloß ein Maß ringeht, häh? Nu, guckemal, Huck – wenn nu dieser Dingsdag Neujahrsdag wär’ – was dann? Will da einer behaupten, ’s wär am einen Ort Neujahr, un am annern Ort Altjahr, akkrat in dieselbigte Minute? Das is ja ’n vermaledeiter Unsinn! So was kann ich gar nix mit anhören, ach du lieber großer Gott, nä!«

Auf einmal fängt er an zu zittern und wird ganz grau und Tom sagt:

»Na, was ist denn nun los? Was hast du denn?«

Jim kann gar kein Wort hervorbringen, aber endlich sagt er:

»Massa Tom, Sie mach’ nix Spaß, un es is so?«

»Nein, ich denke nicht dran, und es ist wirklich so!«