Viertes Kapitel.
Und einsamer wurde es und immer einsamer. Ueber uns war das riesige Himmelsgewölbe – leer und furchtbar tief; und unter uns war der Ozean, auf dem wir bloß die Wellenköpfe sahen. Rund um uns her war ein Ring, in welchem Himmel und Wasser zusammenliefen; ja ein riesengroßer Ring war es und wir waren genau in dessen Mitte. Wir sausten dahin mit der Schnelligkeit eines Prairiebrandes; aber das machte in der Entfernung keinen Unterschied, allem Anschein nach kamen wir über unseren Mittelpunkt nicht hinaus; so viel ich sah, konnten wir dem Ring nicht um Zollbreite näher kommen. Es wurde einem ganz seltsam dabei zu Mute; es war so eigentümlich und so unerklärlich.
Und dabei war alles so furchtbar still, daß wir unwillkürlich anfingen leise zu sprechen, und die Einsamkeit machte uns immer bänger und benahm uns die Lust zu plaudern und schließlich hörte das Gespräch ganz auf und wir saßen bloß da und ›denkten‹, wie Jim sich ausdrückt, und sagten kein Wort mehr.
Der Professor rührte sich nicht, bis die Sonne über unseren Köpfen stand; da richtete er sich auf und hielt eine Art Dreieck vor seine Augen, und Tom sagte, das wäre ein Sextant, und er nähme die Stellung der Sonne, um zu sehen, wo der Luftballon sich befände. Hierauf rechnete er ein bißchen und sah in einem Buche nach und dann kriegte er wieder seinen Anfall. Er sprach eine Menge wildes Zeug und sagte unter anderem, er wollte dieses Hundertmeilentempo bis zum nächsten Nachmittag beibehalten und dann würde er in London landen.
Wir sagten, dafür würden wir ihm in tiefster Seele dankbar sein.
Er hatte sich umgedreht, aber als wir das sagten, da sprang er auf einmal ganz wild wieder herum und warf uns einen ganz abscheulichen langen Blick zu – selten habe ich einen so boshaften und mißtrauischen Blick gesehen! Dann sagte er:
»Ihr wollt von mir gehen! Versucht nicht, das abzuleugnen.«
Wir wußten nicht, was wir antworten sollten, und hielten deshalb den Mund und sagten gar nichts.
Er ging nach hinten und setzte sich wieder hin, aber augenscheinlich konnte er diesen Gedanken nicht wieder los werden. Von Zeit zu Zeit rief er uns irgend etwas zu, was darauf Bezug hatte, und versuchte eine Antwort aus uns heraus zu bringen; aber wir wagten nicht zu sprechen.
Immer drückender wurde das Gefühl der Einsamkeit, und es kam mir vor, als könnte ich’s bald nicht länger aushalten. Als die Nacht hereinbrach, wurde es damit noch schlimmer. Auf einmal kneift mich Tom und flüstert: »Sieh mal hin!«