»›Du lebst ja doch eigentlich nicht unter den Menschen und darum brauchst du wirklich nicht all die Schätze, die du gekriegt hast. Willst du nicht so gut sein, mir zehn von deinen Kamelen abzulassen?‹

»›Na,‹ sagt der Derwisch, ›was du da sagst, ist ja ganz vernünftig; dagegen kann ich nichts einwenden.

»Er tat es also; sie nahmen wiederum Abschied, und der Derwisch zog mit seinen vierzig weiter. Aber gleich darauf läuft der Kameltreiber wieder mit Halloh hinter ihm her und fängt an zu winseln und zu betteln, er möchte ihm doch noch zehn Kamele geben, denn mit dreißig Kamelladungen Gold und Juwelen könnte ein Derwisch sich ganz gut durchs Leben schlagen. Bekanntlich leben ja die Derwische sehr einfach und haben keine eigene Wohnung, sondern ziehen in der Welt ’rum und quartieren sich bald hier bald dort ein.

»Aber damit war’s noch nicht zu Ende. Der gemeine Hund kam immer und immer wieder, bis er sich alle Kamele zusammengebettelt hatte und die sämtlichen hundert besaß. Dann war er zufrieden und sogar riesig dankbar und sagte, er wollte es dem Derwisch sein Lebenlang nicht vergessen, und niemand sei je zuvor so gut gegen ihn gewesen und so freigebig; so schüttelten sie sich denn die Hände, sagten sich Lebewohl und gingen auseinander, der eine hierhin und der andere dorthin.

»Aber wißt ihr – es waren noch keine zehn Minuten verstrichen, da war der Kameltreiber schon wieder unzufrieden – er war das allergemeinste Reptil in sieben Grafschaften – und kam wieder hinter dem Derwisch hergerannt. Und diesmal wünschte er, der Derwisch solle ihm auch auf sein anderes Auge ein bißchen von der Salbe streichen.

»›Warum?‹ fragte der Derwisch.

»›O! Du weißt schon!‹ antwortete der Kameltreiber.

»›Was denn?‹

»›Na, mir kannst du nichts weismachen!‹ sagt der andere. ›Du möchtest mir irgendwas verheimlichen, das weißt du selber recht gut. Ich denke mir aber, wenn ich die Salbe auch auf dem anderen Auge hätte, so könnte ich ’ne ganze Menge noch viel wertvollere Sachen sehn. Also bitte – streich’ sie mir auf!‹

»Sagt der Derwisch: