Sie alle haben gewisse Heilerfolge aufzuweisen – darüber kann kein Zweifel obwalten. Und die Glaubenskur und die Gebetskur richten wahrscheinlich keinen Schaden an, selbst wenn sie nichts Gutes leisten sollten. Denn sie verbieten dem Patienten nicht, der Kur mit ärztlicher Behandlung zu Hilfe zu kommen, wenn er das Bedürfnis danach empfindet. Die anderen aber wollen von Medizinen nichts wissen und behaupten, jede erdenkliche menschliche Krankheit durch die bloße Anwendung ihrer geistigen Kräfte heilen zu können. Sie behaupten, sie könnten Krebs beseitigen, auch andere Leiden, die sich, seitdem Menschen auf der Erde sind, als unheilbar erwiesen haben. So etwas scheint mir nicht ganz gefahrlos zu sein. Die Leute versprechen wohl etwas zu viel. Das Publikum würde wahrscheinlich mehr Vertrauen haben, wenn weniger versprochen würde.

Alle anderen Sekten bekennen, daß sie nicht Gottes Gleichen seien; nur die Christliche Wissenschaft erhebt öffentlich den Anspruch, Gleiches zu leisten wie die Gottheit; ja nach der verbesserten Bibel der Christlichen Wissenschaft halten die Herrschaften sich sogar für mehr. In der gewöhnlichen Bibel werden Schmerz, Krankheit und Tod als Tatsachen hingestellt; aber die von der Christlichen Wissenschaft wissen’s besser. Wissen’s besser und sagen’s ohne Zaudern frei heraus.

Frau Fuller war nicht im stande, mein Magendrücken und mein Kopfweh zu kurieren; aber der Pferdedoktor that’s. Dies bringt mich zu der Ueberzeugung, daß die Christliche Wissenschaft zu viel verspricht. Meiner Meinung nach sollte sie sich mit inneren Krankheiten nicht abgeben, sondern sich auf Knochenbrüche und Wunden beschränken. Jedem das Seine.

Der Pferdedoktor verlangte mir dreißig Kreuzer ab, ich gab ihm das Doppelte. Frau Fuller schickte mir eine spezifierte Rechnung über die Heilung von 234 Knochenbrüchen – für jeden Bruch einen Dollar!

»Nichts existiert als die Seele?«

»Nichts!« antwortete sie. »Alles andere ist substanzlos, alles andere ist imaginär.«

Ich gab ihr einen imaginären Check, und jetzt hat sie mich auf substantielle Dollars verklagt. Das scheint inkonsequent zu sein.

IV.

Nehmen wir einmal als feststehend an, daß wir alle teilweise geisteskrank sind. Dadurch werden wir uns gegenseitig besser verstehen, manches Rätsel wird sich lösen und gar vieles, was uns jetzt verworren und dunkel erscheint, wird sich als klar und einfach herausstellen.

Auch die von uns, die sich nicht in einer Irrenanstalt befinden oder nicht in eine solche hineingehören, sind ohne Zweifel in einer oder zwei Einzelheiten verrückt – ich glaube, dies müssen wir alle zugeben; aber ich glaube zugleich auch, daß wir dabei in allem übrigen geistig gesund sind. Wenn wir alle von einem Ding die gleiche Meinung haben, so steht es meines Erachtens unwiderleglich fest, daß, soweit dieses eine Ding in Betracht kommt, unser Verstand vollkommen gesund ist. Nun gibt es ja etliches, worüber wir alle einer Meinung sind; wir nehmen die Tatsachen als feststehend hin und streiten uns nicht darüber. So zum Beispiel lassen wir alle, die wir nicht in einer Anstalt sind, folgende Sätze gelten: Wasser bemüht sich stets, eine wagerechte Oberfläche anzunehmen Die Sonne gibt Licht und Wärme. Feuer verzehrt brennbare Stoffe. Nebel ist feucht. Sechs mal sechs ist sechsunddreißig. Zwei von zehn gibt acht. Acht und sieben gibt fünfzehn.