Sein Gesicht wurde weiß! – so weiß, wie wenn er ’ne Leiche gewesen wäre. Er schwankte auf den Füßen und faßte mit der Hand nach der Wand, um sich zu stützen. Einen Augenblick darauf fragte er mit so schwacher Stimme, daß man’s kaum hören konnte:

»Haben – Sie’s gelesen?«

Unsere Gesichter mußten die Wahrheit geantwortet haben, bevor meine Lippen das falsche »Ja!« hervorbringen konnten, denn ich sah deutlich, wie der Mut wieder in des Jungen Augen kam. Ich wartete darauf, daß er etwas sagen sollte, aber er blieb still. So sagte ich denn zuletzt:

»Nun, was hast du zu den Enthüllungen zu bemerken, die in diesem Brief enthalten sind?«

Er antwortete völlig gefaßt:

»Nichts – ausgenommen, daß ich gänzlich harmlos und unschuldig bin; sie können keinem Menschen Schaden tun.«

Ich war jetzt ein wenig in der Klemme, sintemalen ich seine Behauptung nicht Lügen strafen konnte. Ich wußte nicht recht, wie ich weiter vorgehen sollte. Es kam mir indessen zum Glück ein guter Gedanke und ich sagte:

»Du weißt ganz bestimmt nichts von dem ›Meister‹ und der ›Heiligen Allianz‹ und schriebst ganz bestimmt auch den Brief nicht, der, wie du sagst, eine Fälschung ist?«

»Nein, Herr Major – ganz bestimmt nicht!«

Ich zog langsam den geknoteten Bindfaden hervor und hielt ihm denselben hin ohne ein Wort zu sprechen. Er sah ihn gleichgültig an, dann wandte er sich mit einem fragenden Blick zu mir. Meine Geduld war jetzt an der Grenze angelangt. Ich bezwang indessen meinen Aerger und sagte in ruhigem Tone: