K.: Das muß eine schmerzliche Erfahrung gewesen sein. Aber man gewöhnt sich an diese Tragödien. Man hört von so vielen. Immer will eines frei sein und eines gebunden bleiben.
M.: Ja; und die stillschweigende Tradition, daß es eine Ehrensache ist, den unfreiwilligen Gefährten nie zum Bleiben bestimmen zu wollen, hebt das Gesetz auf, daß die Ehe nur enden kann, wenn beide Teile es wünschen.
K.: Ich bin überzeugt, daß die Tragödien der Trennung, von denen man heutzutage hört, weit ärger sind als die durch die Ehefesseln gelegentlich hervorgerufenen Tragödien der guten alten Zeit — und auch, daß sie viel häufiger sind.
M.: Es wäre keine solche Ironie, wenn irgend jemand etwas davon hätte. Aber soweit ich es beurteilen kann, leiden die Männer fast ebensoviel darunter wie die Frauen, besonders wenn sie alt sind. Den Zeitungen aus dem Anfang des Jahrhunderts zufolge, konnte ein alter Junggeselle oder ein Witwer immer eine junge und reizende Frau bekommen. Aber heute wird niemand einen ältlichen Mann heiraten, ausgenommen eine alte Frau, und an denen liegt den Männern nichts.
K.: Das ist sehr schade. Sie würden auf diese Weise vielem Unglück steuern, das man allerwärts sieht. Auf seine alten Tage ganz verlassen dazustehen, muß schrecklich sein.
M.: Da wir gerade von den Zeitungen reden, muß ich dir sagen, wie belustigend es ist, sie im British Museum zu lesen und aus ihnen zu ersehen, was für Wunder von dem System der Ehe auf Probe erwartet wurden, als man es zuerst gesetzmäßig festlegte. Alle die Mißstände des alten Systems sollten verschwinden: die Scheidung, der Ehebruch, die Prostitution, die Verführung, mit all diesen sozialen Übeln sollte gründlichst aufgeräumt werden.
K.: Wie unsinnig kurzsichtig waren die Leute damals! Die Scheidung ist allerdings abgeschafft, aber die Skandale und der Kummer, die gebrochenen Herzen und die zerstörten Familienleben, die sie verursachte, sind vertausendfacht. Die Untreue mag jetzt weniger häufig sein, aber wenn die Leute dazu Lust und Gelegenheit haben, dann haben sie keine Lust, eine gewisse Anzahl von Jahren zu warten, bis es dem Gesetz nach keine Sünde mehr ist. Ebenso ist es mit den anderen Mißständen. Es wird immer eine große Zahl von Männern geben, die die Ehe aus finanziellen oder anderen Gründen hinausschieben, und eine große Zahl Frauen, die nur auf eine Weise ihr Leben zu verdienen verstehen, und der älteste Erwerbszweig der Welt wird immer im Gang gehalten werden. Auch die Verführung wird nicht aufhören, so lange die Gesetze dieses Vergehen so milde beurteilen. Es wird immer unwissende, dumme und unbeschützte Mädchen geben und immer Männer, die daraus ihren Vorteil ziehen.
M.: Es scheint auch ebensoviele alte Jungfern zu geben wie früher; die Frauen, welche für die Männer nichts Anziehendes haben, bleiben bei jedem System dieselben, und oft sind sie die besten Frauen.
K.: Wie seltsam muß es sein, nie einen Mann gehabt zu haben.
M.: Es muß jedenfalls recht friedlich sein. Aber die alten Jungfern sehen durchaus nicht glücklicher aus als die verheirateten Frauen.