„Eine prächtige Frau, unsere Wortführerin“, sagte der ‚Tölpel‘. — „Ich setze einen Schilling auf sie.“

Der ‚böse Börsenmann‘ nahm eine zweite Portion Salat und aß unbekümmert weiter, während die ‚vornehme Dame‘ an der Spitze der Tafel den ‚Familienegoisten‘ ängstlich beobachtete, der apoplektisch aussah und so bedenklich mit seinem Weinglas spielte, daß er dessen Laufbahn als nützlichen Gebrauchs­gegenstand offenbar abzukürzen im Begriff war.

„Mich hat man gelehrt“, sagte der ‚biedere Börsenmann‘ langsam, „die Ehe als eine geheiligte Institution, als ein heiliges Mysterium zu betrachten.“

„Dann hat man Sie Unsinn gelehrt“, schnauzte ihn der ‚Blaustrumpf‘ an und gab sich so den übelsten Gewohnheiten der höflichen Tafelrunde hin; sie bebte vor intellektueller Begeisterung.

„Eine Anschuldigung“, begann der ‚biedere Börsenmann‘ — („Gelungenes Wort, ich setze einen Schilling darauf“ murmelte der ‚Tölpel‘) — „ist kein Beweis“, setzte der ‚biedere Börsenmann‘ fort.

„Schon möglich, aber was Sie gesagt haben, war Unsinn“, erwiderte der ‚Blaustrumpf‘. „‚Ein heiliges Mysterium, eingesetzt in der Unschuldszeit der Menschheit‘ — ich erinnere mich an das Zitat. Und um welche Zeit war das, wenn ich bitten darf? Beziehen Sie sich auf den Garten Eden oder irgend einen Teil der Bibel? Das erwählte Volk, die Hebräer, war polygamisch von der Zeit des Lamech an, offenbar mit der Zustimmung der Gottheit. Selbst der unberührte David hatte dreizehn Frauen, und der heilige Salomo ein rundes Tausend. Da ist nicht viel von dem heiligen Mysterium in jenen Tagen zu spüren.“

„Lieber ‚Blaustrumpf‘, Sie sind aber wirklich —“ murmelte die ‚vornehme Dame‘.

„Durchaus nicht, sie ist ganz bei Sinnen“, warf der ‚verlebte Roué‘ ein, der sich teuflisch an dem sichtlichen Ärger des ‚biederen Börsenmannes weidete.

„Ich gebe es auf“, sagte der letztere, wobei der ‚Tölpel‘ und der ‚verlebte Roué‘ in ein Freudengeheul ausbrachen. „Ich kann wirklich nicht gegen eine Dame von solch überwältigender Beredsamkeit aufkommen“, fuhr er fort, indem er sich in entzückend galanter Art verbeugte. „Es ist alles eins, ich werde immer glauben, daß die Ehe eine heilige Institution ist.“

„Mein lieber alter Junge,“ sagte der ‚verlebte Roué‘ hastig mit einem Seitenblick auf den ‚Familienegoisten‘, der wirklich an jenem Abend schlecht behandelt wurde, „deine Hochherzigkeit ist geradezu bewunderungs­würdig, aber sie ist nicht am Platze. Sie paßt nicht in moderne Verhältnisse. In der Theorie ist die Ehe gewiß ein heiliges Mysterium. In der Praxis wird sie ein unheiliger Wirrwarr, oft eine Erniedrigung. Ich persönlich glaube an die Polygamie.“