Und das Himmelsdach schon abgedeckt,

Die Sonne hinaus zu lassen

In ihre goldnen Gassen.

Und die Hand schafft ohne den Geist,

Ich liege von schreienden Adlern bekreist,

Es geschieht alles sonder meinen Willen.

Man sieht wie einfach das Schaffen ist, worüber sich die Menschen so sehr den Kopf zerbrechen.

Ein zweiter, allgemeinerer kosmogonischer Gedanke betrifft den Menschen. Dieser ist nun bei manchen Naturvölkern gleichfalls ein Urwesen, und auch ein Schaffensprinzip. Im allgemeinen entsteht er nach der Welt, als Abkömmling der Götter, oder von ihnen besonders hervorgebracht. In der elohistischen Schöpfungsgeschichte der Bibel wird der Mensch von Gott geschaffen: „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn, Mann und Weib schuf er sie.“ Der Mensch ist wie Licht, Sonne, Mond usf. geschaffen; es wird nicht gesagt woraus. Die jehovistisch-elohistische Erzählung gibt aber den Stoff an und fügt den Odem Gottes hinzu. „Und der ewige Gott bildete den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase Odem des Lebens; da ward der Mensch zu belebtem Wesen.“ Aus Erde sind auch alle Tiere gebildet, nur der Odem Gottes fehlt ihnen. Bei den Babyloniern scheint nach Berossos, und übrigens auch nach dem Schöpfungsgedicht Enuma Elis, das Blut der Götter in der Erschaffung des Menschen eine Rolle zu spielen. Bel läßt sich den Kopf abschlagen, und das hervorstürzende Blut wird mit Erde vermischt. Daraus werden Menschen und Tiere geformt. Diese Wendung ist recht verschieden von der biblischen. Die Ägypter dachten sich den Menschen gleichfalls aus Erde gebildet. Wir haben Darstellungen, wo der Gott vor einer Töpferscheibe sitzt und den Menschen formt. Hesiod nimmt, nach den fünf aufeinanderfolgenden Geschlechtern, verschiedene Substanzen an, Gold, Silber, Erz oder Esche, Eisen; für das vierte Geschlecht ist der Stoff nicht angegeben. Dieses nach der Güte der Menschen symbolisch zu deuten liegt nahe, scheint aber nicht ganz zulässig. Bildner sind hier die Götter allgemein bei den beiden ersten Geschlechtern, und ist es Zeus bei den beiden folgenden Geschlechtern. Vom fünften Geschlecht wird ein Bildner nicht genannt, es wird geboren. Nach anderen griechischen Sagen wird der Mensch aus Erde, Schlamm, Lehm oder Ton von Göttern und besonders bekanntlich von Prometheus geformt, dem Athene geistig beisteht; letzteres jedoch erst nach späterer Dichtung. Sonst wachsen die Menschen auch aus Bäumen oder Sträuchern hervor, wie bei den Germanen, Eraniern, auch Griechen (Attis aus dem Mandelbaum, Adonis aus dem Lorbeer), Italikern und anderen Völkern, oder aus Steinen, Felsen, Eisblöcken. Die Sage, daß nach der Flut die Menschen aus Steinen entstanden, die Deukalion und Pyrrha hinter sich warfen, gehört nicht hierher; Zeus belebte die Steine. Ebenso begaben Odin, Hönir und Lodurr Esche und Ulme mit Seele, Atem, Blut und Farben zu lebenden Menschen.

Auch die Anschauung von einer Entwicklung der Welt ist weit verbreitet. Wir haben hier verschiedenes zu betrachten. Das erste betrifft den Menschen. Hier spielt die Neigung, die Vergangenheit in günstigem Licht der Gegenwart gegenüberzustellen, eine große Rolle. An die herrliche Paradiesgeschichte der Bibel und den verhängnisvollen Sündenfall brauche ich nur zu erinnern. Einen Sündenfall kannten auch die Eranier. Das erste Menschenpaar, Maschiah und Maschianeh (Mensch und Menschin), wird von Ahura Mazda vermahnt, gute Gedanken zu denken, gute Worte zu reden, gute Werke zu tun und den Devs (den bösen Geistern) nicht zu opfern. Und gehorsam und guten Sinnes sagt es: „Ahura hat Wasser, Erde, Bäume und Tiere, Sterne, Mond und Sonne und alle Annehmlichkeiten geschaffen, welche von der Reinigkeit offenbar sind samt und sonders.“ Hierauf lief der Feind in ihr Denken und verfinsterte ihr Denken, und sie logen sodann: „Ahriman hat geschaffen Wasser, Erde, Bäume und Tiere und das übrige.“ Durch diese gottlose Rede wurden beide Gottlose (Darvand’s) und ihre Seele ist bis zum zukünftigen Körper in der Hölle. So lautet es im Bundehesh. Es wird dann geschildert, wie ihre Speisen geschmacklos und ihr Leben mühselig wird, wie sie in Sünde fortfahren und dadurch die Devs immer mächtiger werden. In einer anderen eranischen Sage spielt auch das Paradies eine gewisse Rolle. Vîvanhão, den man mit dem indischen Vivasvân gleichsetzt, doch ohne das Dunkel, das auf dieser Persönlichkeit ruht, zu erhellen, ist der erste Mensch, der den heiligen Haoma grüßt ([S. 112]). Sein Sohn ist Yima, entsprechend dem Yama, Sohn des indischen Vivasvân. Ihm schon (vor Zarathustra) wird von Ahura die mazdajaçnische Lehre kundgetan. Darauf lebt er mit seiner ganzen menschlichen Nachkommenschaft auf paradiesischer Erde, bei paradiesischem Klima unsterblich und unschuldsvoll. Und wie die Erde zu klein wird, sie alle zu fassen, gräbt er die westliche Grenze wiederholt mit goldener Schaufel und spricht: „Sei freundlich, Çpenta-Armaiti, gehe auseinander und dehne dich aus zum Tragen des Viehes, der Zugtiere und der Menschen.“ Und jedesmal dehnt sich die Erde um ein Drittel größer als sie war. So lebt Yima mit Allen tausend Jahre. Darauf folgt ein Ereignis, das der Flut entspricht, worüber später gesprochen wird. Unsterblichkeit und die Gnaden verliert aber Yima mit seiner ganzen Nachkommenschaft wegen einer Lüge. Er wird Opfer des Drachen Dahâka. Yima ist Firdusis Dschemschid (Dschem der „Glänzende“), der untergeht, weil er sich anbeten ließ; Dahâka der arabische Tyrann Dhohhak (Zohak) mit Schlangen, die ihm aus den Schultern wuchsen.