Frohnau i. d. Mark

Walter von Molo

Zur Stunde der Maus

In einer Stadt der Provinz hatte ein Südfrüchtenhändler einen Laden eingerichtet, der sich über einem tiefen Keller befand, zu welchem eine Falltüre hinunterführte.

Aus diesem Keller kamen jede Nacht die Mäuse in Scharen in die Südfrüchtenhandlung herauf. Sie nagten dort die schönen, in Seidenpapier eingewickelten Kalvillenäpfel an, sie fraßen Datteln und Feigen, Rosinen und Bananen und schonten auch nicht die jungen Gemüse und die Maltakartoffeln. Keine Ware, die sich in der Südfrüchtenhandlung befand, war vor den kleinen zudringlichen Nagetieren zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang sicher.

Solange nachts Lärm auf den Straßen war und die Wagen fuhren, hielten sich die Mäuse noch still im Keller. Aber sobald es Mitternacht geschlagen hatte und es still in jener Straße wurde, kamen sie in Scharen, vergnügten sich an den süßen Vorräten und feierten wahre Freßorgien, deren Spuren den Südfrüchtenhändler jeden Morgen beim Betreten des Ladens in Verzweiflung setzten.

Den Laden zu räumen und einen anderen zu beziehen, das ging nicht gut an, da hier im Mittelpunkt der Stadt ein gutes Absatzgebiet war und dem Händler durch einen Umzug wahrscheinlich viele Kunden verloren gegangen wären.

Und so versuchte er, sich auf alle Weise gegen die Mäuse zu schützen. Er schaffte sich Katzen an, aber er mußte sie wieder abschaffen, da es vorgekommen war, daß die Tiere in der Nacht den Ladenraum verunreinigt hatten, und der Geruch davon, der am Morgen nicht auszutreiben war, die Käufer entsetzt hatte.

Er schaffte sich dann Hunde, Rattenfänger, an. Aber diese stürmischen Tiere schlugen in den Nächten ein wildes Gebell auf, wenn sie hinter den Mäusen herjagten, und sie warfen dabei, wenn sie über die mit Obst gefüllten Körbe sprangen, Früchte und Körbe über den Haufen, so daß der Händler auch die Hunde wieder abschaffen mußte, weil die Nachbarn sich über das nächtliche Gebell beschwert hatten und der Schaden, den die hetzenden Hunde anstifteten, dem Schaden der Mäuse gleichkam.

Gift gegen die Mäuse zu legen, war nicht ratsam, da die halbvergifteten Tiere das Gift über die Eßwaren verschleppen konnten und dann großes Unglück durch die Vergiftung von Früchten hätte entstehen können.