»Das hat die Prinzessin vergessen,« wurde ihm zur Antwort.
Die Maler zogen mit Reispapier und Tusche, mit Silberpapier und Goldpapier beladen nach Katata, um den Flug der Wildgänse zu studieren. Aber da es Juli war und keine Wildgänse um diese Zeit vorüberziehen, mußten sie warten bis Oktober. Und Oizo suchte inzwischen die Hügellinie und die Baumlinie. Aber da es Sommer war und die Bäume belaubt, und da die Hügel voll hoher Gräser wehten, fand er nirgends die Linie freiliegend.
Die Maler und der Maler Oizo studierten inzwischen die Fische, die in Rudeln im klaren Wasser stehen, und Bäume am Ufer, welche wie Schriftzeichen ins Wasser tauchen und sich in der Wasserspiegelung krümmen, und Wachteln, die in den Reisfeldern brüten, und Wachtelmütter, die mit ihren Jungen unter den Reishalmen picken. Sie brachten diese Bilder nach Kioto in den Bergtempel und dachten: Vielleicht gibt sich die Prinzessin zufrieden mit einem Wachtelsaal oder mit einem Saal voll Uferbäume und Fische.
Aber die Prinzessin schwieg und gab keinen Beifall, und auch der Kaiser und die Kaiserin schwiegen.
Da wurde der große Maler Oizo traurig und kehrte wieder nach Katata zurück. Dort wohnte er in dem Hause eines Töpfers auf einem Hügel. Der formte aus dem Ton der Katataerde Vasen, einfache weiße Vasen, die er mit grüner und blauer Glasur überzog, so daß sie spiegelten wie das grüne und blaue Uferwasser des Biwasees in den Frühlingstagen.
Der Töpfer hatte eine Tochter. Die war so jung und lebendig wie ein Aprilwind. Sie saß am Töpferofen, darinnen die Vasen und Tonschalen ihres Vaters gebrannt wurden. Sie hatte die Glut zu schüren und die Holzkohlen aufzufüllen, und davon war sie stets schwarz im Gesicht und schwarz an den Händen, daß der Maler Oizo sie eigentlich noch niemals gesehen hatte.
Oft saß er am Ofen bei ihr, wenn sie die Flammen schürte, und er zeichnete nachher die roten Korallenäste des Feuerflackerns. Natürlich wußte ganz Katata, daß die kaiserlichen Maler auf den Herbst warteten, bis die Wildgänse in den Oktoberabenden fortflögen. Und auch »Graswürzelein«, wie die Tochter des Töpfers hieß, wußte, daß Oizo jetzt traurig war, weil er den Wunsch der Prinzessin noch nicht befriedigen konnte.
Eines Abends, als der Mond aufging und der Altan des Töpfers zwischen dem Mondschein und dem roten Schein, der aus dem Ofen fiel, zweifarbig beleuchtet, rot und blau wurde und Graswürzelein mondblau und feuerrot, zweifarbig beschienen, vor dem Ofen im Hof bei dem Altan saß, seufzte der Maler in seiner Altanecke ärgerlich und trotzig darüber, daß der Prinzessin nicht der Wachtelsaal und nicht der Saal der Fische gefallen hatte und auch der Kaiser und die Kaiserin darüber geschwiegen hatten.
Da kam die blau und rot beschienene Tochter des Töpfers und sagte:
»Seufze nicht, Oizo! Ich will dir sagen, was die kaiserliche Prinzessin denkt, und was sie will, und will dir auch das Schriftzeichen des Fluges der Wildgänse zeigen.«