»Laß dir doch erklären, woher ganz Kioto den Flug der Wildgänse und das Bild, das du malen willst, kennt.

Du weißt, ich wohnte in Katata bei einem Fruchthändler. Dessen Tochter brachte mir eines Tages in einer Porzellanschale einen kleinen Zwerggarten in mein Zimmer. Darin blühte ein ganz winziger Kirschbaum. Der Baum war nicht höher, als mein halber Arm. Hinter dem Baum war ein künstlicher Hügel aus Erde. Diesen kleinen Garten stellte sie am Abend hinter einen weißen Papierschirm, auf welchem mit schwarzer Tusche kleine Wildgänse im Schleifenflug gemalt waren. Sie zündete eine Lampe hinter dem Schirm an, so daß der Schatten des Zwerggartens, des Baumes und des Hügels, auf den weißen Schirm fiel und sich darauf abzeichnete und Garten und Gänse ein einziges Schattenbild zu sein schienen. Aber zugleich konnte man das Ganze auch für ein Schriftzeichen halten.

Ich verstand sofort, daß sie mich liebte, und daß dieses Bild eine Liebeserklärung sein sollte.

Ich kümmerte mich nicht um ihre Erklärung, nachdem ich den gesuchten Wildgänseflug von Katata, der eine Liebeserklärung darstellt, so deutlich gesehen hatte, daß ich ihn malen konnte.

Ich wollte am nächsten Tag abreisen, ging aber am Abend noch ins Teehaus, wo ich fünf von unseren Malern traf. Dem einen hatte eine Tänzerin den Wildgänseflug von Katata bereits erklärt, dem andern ein Fischermädchen, bei dessen Vater er wohnte, dem dritten und vierten und fünften andere Mädchen von Katata, so daß wir alle merkten: das Schriftzeichen des Gänsefluges war ein öffentliches Geheimnis der jungen Mädchen in Katata und wurde immer angewendet, als Zeichnung auf einer Vase, als Wandschirmbild und so weiter, wenn ein Mädchen von Katata einem Manne eine Liebeserklärung machen wollte.

Wir hatten das bis damals in Kioto nicht gewußt. Aber jetzt kennen das Schriftzeichen des Wildgänsefluges von Katata alle Kinder von Kioto, weil alle Maler das Geheimnis hier verbreitet haben, alle, die in Katata waren. Auch der kaiserliche Hof weiß es längst, und die junge Prinzessin ist bereits von dem ganzen Hof als lächerlich erklärt. Der Kaiser und die Kaiserin sollen sehr ärgerlich sein, und du selbst wirst deinen Kopf verlieren, wenn du den Saal fertig gemalt hast und dir einbildest, von der Prinzessin geliebt zu sein.«

Oizo dachte einen Augenblick nach, dann lachte er und sagte:

»Da ich die Prinzessin nicht liebe, wird mir der Hof doch nicht böse sein, weil ich den Wildgänseflug mit Lust an meiner Malerei malen wollte, und nicht mit Lust an der Liebeserklärung des Schriftzeichens.«

»Doch, doch,« sagte sein Freund. »Du mußt fliehen, du mußt dich verstecken, bis der Tempel eingeweiht ist. Man wird den Saal der Prinzessin verschlossen halten und gar nicht zeigen. Aber du mußt fortbleiben, bis man die Liebeserklärung der Prinzessin vergessen hat.

Ich rate dir, nimm ein Segelboot und halte dich einen Monat lang auf dem Biwasee versteckt. Auf dem weiten Wasser draußen wird dich niemand suchen, und du kannst den Booten ausweichen.«