»Doch, doch,« nickte Graswürzelein. »Erinnerst du dich nicht, Meister, da ich dir auf einer Tonvase den Flug der Wildgänse von Katata beschrieb? Erinnerst dich du nicht? Es war im Mondschein. Du saßt auf dem Altan und ich am Ofen im Hof.«
»Du warst rot und blau beschienen,« sagte Oizo, »wie die Muschel hier, die mondblau und feuerrot in meiner Hand irisiert und leuchtet. Das ist das Bild, das ich hier malen will. Ich will dein Gesicht malen, blau vom Mond und rot vom Feuer beleuchtet. Und darum bin ich nach Katata gekommen.«
Graswürzelein lachte einen Augenblick. Dann aber wurde sie sehr ernst.
»Nein,« sagte sie und schüttelte den Kopf. »Du darfst nicht mehr in unser Haus kommen. Ich habe das Feuer zu schlecht geschürt, so lange du da warst, und ich habe meinem Vater zu viele Tonvasen verbrannt.«
»Du hast noch einen Grund, den du nicht sagst,« meinte Oizo. »Die Tonvasen will ich deinem Vater alle bezahlen, während ich dich male. Rede und sage deinen Grund, warum ich nicht mehr in dein Haus kommen soll?«
Graswürzeleins Wangen erröteten, und sie hielt rasch ihre Hände an die Wangen, um die Wangenröte mit den Händen zu verbergen.
Oizo sah staunend, wie schön das Mädchen war, und hörte, wie ihre Stimme wisperte und rhythmisch sang, während sie sprach, als ob das Schilf vom Vorjahr wieder um ihn sänge.
»Willst du nicht eine Bootfahrt mit mir machen, Graswürzelein? Es kommt eine lauwarme Luft über den See, und die Abende sind schon lang und hell. Ich glaube, die Wildgänse müssen bald wiederkommen.«
»Ja, bei den Göttern, das ist wahr,« seufzte das kleine Mädchen. »Die Wildgänse möchte ich dir auf dem See zeigen, Meister.« Und ein Lachen blitzte in ihren Augen, so wie die nassen schwarzen Seekiesel blitzen. »Das ist die Luft der Wildgänse heute abend. Du hast sie nie vom See aus kommen sehen, Meister?«
»Nein, ich sah den Wildgänseflug nur vom Land, über Hügel und Baum.«