Wenn sie den Arm zum Kopf hochhebt,
Lebt ihres Kleides Samt
In Falt' und Wogen
Um die Gestalt.

Als lauscht sie auf Gras,
Das im Spiegelglas wächst,
Scheint sie vom Spiegel
Weit fortgezogen.

Bis sie langsam vergißt
Und nicht mehr weiß,
Woher sie kam und wer sie ist.

Dann sinkt die Hand mit dem Spiegel lahm.
Sie sieht sich stumm
Errötend um,
Wie eine, die geheim gelogen.

Nacht um Nacht

Der Mond zieht hinterm Schiff einher,
Er wird des Abends Herr im Meer,
Begleitet Nacht um Nacht die Fahrt.

Ich hab' ihm forschend nachgestarrt,
Ich fragte ihn: »Wohin so spät?«
– Auch er weiß nicht, wohin es geht.

Likse und Panulla

Likse, eine chinesische Wasserverkäuferin, und Panulla, eine singhalesische Straßendame, saßen im Haftlokal der Polizeistation auf der »Gelben Straße« in Singapore.

Es ist morgens sechs Uhr. Beide Frauen sind in der Nacht betrunken von der Straße aufgelesen und in das vergitterte Haftzimmer gesteckt worden. Der einfenstrige Raum liegt im ersten Stock eines einstöckigen indigoblauen Hauses. Das Gitterfenster reicht bis zur Diele. Likse und Panulla sind von den Stühlen, auf denen sie geschlafen, aufgestanden. Sie hocken am Boden bei dem Gitterfenster, schauen auf die lebhafte Morgenstraße hinunter und warten auf ihre Haftentlassung.