Eines Abends – die Sonne war eben untergegangen, der See war hell, als wäre er aus Porzellan, weiß und glänzend, der Himmel war golden, als hätte Hanake eine ihrer Truhen geöffnet, die aus Goldlack waren, und die Geheimfächer enthielten, – trat Hanake auf den Landungssteg, der vor ihrem Haus in den See reichte, und den links und rechts hohes Schilf umwiegte.

In der Richtung nach Yabase erschienen drei Segelboote. Die drei Segel glitten wie senkrechte Papierwände über das abendglatte Wasser. Man sah keine Menschen; denn jedes Segel reichte so tief, daß es das Boot verdeckte. Die aufgepflanzten Segel wurden größer und kamen näher: Hanake fühlte eine Bangigkeit, als kämen mit den drei Segeln drei weiße, unbeschriebene Blätter aus ihrem Schicksalsbuch geschwommen, und plötzlich las sie, als eine Sekunde von Windstille die Segel schlaff werden ließ, ein japanisches Schriftzeichen, zufällig entstanden aus den Falten jeder Segelleinwand. Das erste Boot sagte: «Ich grüße dich.» Das zweite Boot sagte: «Ich liebe dich.» Das dritte Boot sagte: «Ich töte dich.»

Nach der kurzen Windstille, die knappe Sekunden dauerte, wechselte der See seine Farbe; wie vergossene schwarze Tusche über weißes Papier lief eine Finsternis über die Seefläche, und ganz unvermittelt setzte ein trompetender Seesturm ein, der alle drei Segel fast flach auf das Wasser legte, als müßte die Leinwand den Seeschaum reiben; Hanake tat einen Schrei vor Entsetzen, da sie glaubte, die Segelboote müßten unter dem plötzlichen Wind und in den kreiselnden Wellen versinken.

Aber die drei Boote hoben sich wieder. Geschickte Hände regierten die Segel. Doch dieses sah Hanake nicht mehr. Sie hatte zugleich mit dem Schrei, als das aufgeregte Schilf ihr um den Nacken schlug, einen Sprung in die Luft gemacht wie eine elektrisierte Katze und war in das Wasser gefallen; und als sie die Augen öffnete, sah sie ein Rudel Fische und wußte, daß sie unter dem Wasser war, als wäre sie selbst ein Fisch. Dann verlor sie das Bewußtsein.

Als sie aufwachte, lag sie in ihrem Zimmer. Es war Nacht, eine Kerze brannte, und ihre Lieblingsmagd, welche «Singende Seemuschel» hieß, kniete neben ihr und weinte in beide Hände. Man hatte sie umgekleidet, aber sie roch noch das Seewasser, von dem ihr Haar naß war, und sie besann sich sofort wieder auf die drei Schiffe, und ihre erste Frage war: «Sind die drei Segelboote, die aus Yabase kamen, untergegangen?»

Die Magd antwortete nicht, hörte auf zu weinen und streichelte die Hände ihrer Herrin, entzückt, sie wieder lebend zu sehen.

«Sind die drei Segelboote untergegangen?» fragte Hanake beharrlich.

Aber die Singende Seemuschel hatte keine Segelboote gesehen. Die Magd hatte die Herrin auf dem Kies im Schilf gefunden und geglaubt, das junge Mädchen sei von der Landungsbrücke ins Wasser gefallen und habe sich durch einen Zufall selbst gerettet.

«Schiebe die Seefenster auf», sagte Hanake zur Magd. Diese tat, wie ihr befohlen. Draußen lagen der See und der Himmel wie ein einziges schwarzes Loch: kein Stern, kein Mond, kein Licht auf dem See. Hanakes Fenster schienen in einen Abgrund zu schauen, und dem jungen Mädchen war, als müsse sie zum zweitenmal ertrinken, so schmerzhaft wurde ihr die Finsternis draußen. Und in ihrer Brust war eine Leere, so unendlich wie die Nacht über dem Biwasee, als habe sie einen großen Verlust erlitten, als wäre mit den drei Booten ihr Herz fortgezogen; und totenstill war das kleine Bambushaus.

«Schließe die Fenster und hole mir den grauen Papagei, nicht den grünen und nicht den gelben, – den grauen, Singende Seemuschel, den mein Vetter mir vor ein paar Wochen mitgebracht hat aus Nagasaki.»