Einen Augenblick war Frau Marholm ganz verblüfft. Dann wurde sie zornrot und sagte, sich zum Lachen zwingend, zu ihrem Mann:

„Da siehst du, was ich dir sagte, Strindberg ist auf jedermann argwöhnisch! Er will seine Post selbst in Empfang nehmen. Er traut nicht seinen besten Freunden.“ —

Und dieser Ausspruch wurde mir später noch in viel stärkerer Weise von Eduard Munch in Paris bestätigt. Einige Jahre später forderte mich Munch einmal auf, in seinem Atelier seine neue Holzschnittart für ein Mappenwerk anzusehen. Und als er unter anderen Bildern den Porträtkopf Strindbergs hervorholte und ihn mir zeigte, sagte er und deutete dabei auf die Atelierwand:

„Hier nebenan hat bis gestern Strindberg gewohnt. Er ist aber jetzt ganz verrückt geworden. Sehen Sie, was er mir geschrieben hat! Diese Postkarte bekam ich heute früh von ihm. Lesen Sie!“

Strindberg schrieb auf einer Postkarte an Munch: „Jedermann weiß, daß man auf physikalischem Weg auch durch eine Mauerwand hindurch ein Licht ausblasen kann. Ich bin sicher, daß Sie mich töten wollen. Aber ich werde das zu verhindern wissen. Sie sollen nicht mein Mörder werden.“

Munch lachte, als ich kopfschüttelnd gelesen hatte. „Was,“ sagte er, „ist er nicht ganz und gar verrückt? Er war schon immer ein wenig verrückt, aber jetzt ist er ganz und gar verrückt. Er meint, daß ich ihn durch die Wand töten will, als wenn ich gar nichts anderes zu tun hätte.“

Strindberg konnte trotz seines Riesenwissens, trotz seines Riesengehirns, nicht zum Weltgleichgewicht kommen und kam mir wie ein mittelalterlicher Büßer vor. Seine Geißel war der Menschenargwohn und die Menschenfurcht. Bald war er der Welt zu fern, verloren in Weltnebeln, bald war er der Welt zu nah, so daß ihm eine weibliche Fliege wie ein Elefant vorkam. Er war unglücklich, weil er nicht festlich lächeln konnte über das Summen einer Fliege und die andern Leben im Geist nicht festlich nachleben wollte.


Im März 1893 reiste ich zum erstenmal nach Schweden. Auf dem Wege nach Warnemünde waren schon die Felder leicht grün. Der Schnee war fortgeschmolzen, aber die dunkle Erde und die helle Sonne standen noch unvermittelt nebeneinander. Dann, nördlich von Gothenburg, an der schwedischen Küste, war das Meer noch eine Eisebene und das Land ein Schneeland.

Ein Küstendampfer, der mich nach Fjellbacka, einem Fischerdorf an der Küste der Provinz Bohuslän, als Fahrgast aufgenommen hatte, machte seine erste Frühlingsfahrt. Einige tausend Meter voraus dampfte der Regierungseisbrecher, um dem Passagierschiff den Weg zu bahnen.