Denn die Tätigkeit kann jedem wohltun wie Essen und Trinken, wie Atmen und Schlafen, wie Gehen und Liegen. Die Tätigkeit anderer betrachten und die Tätigkeit nachahmen, das ist das Lebensfest des Kindes.
Wenn ihr dann erwachsen werdet, wird euch eine zweite große Festfreude begegnen: die Liebe, wie Vater und Mutter sie zu einander hegen. Auch die Liebe gehört einer wirklichen und einer unwirklichen Welt an, so wie die Tätigkeit einer geistigen und körperlichen Welt angehört. Tätigkeit und Liebe sind dann die beiden großen Freuden im Lebensfest des Erwachsenen, im Lebensfest des Mannes und der Frau.
Und wenn das Alter kommt und mit ihm der Abschied vom Lebensfest, nicht der Abschied vom ewigen Fest, nur der Abschied von der Gestalt, von dem Kleid, das wir wechseln sollen, und das vertragen ist, dann kommt eine Verklärung über euch, ein Rückblick über das Sattgewordensein in diesem Kleid, das ihr tragt, ein Dankblick auf diese Gestalt, in der ihr tätig wart und geliebt habt, und es kommt ein leichter Ruhegenuß über euch.
Doch auch dieser ist wirklich und unwirklich zugleich. Und es kommt die dritte Freude, die letzte große Festfreude über euch: das ist die Freude an der Weisheit. Wissend und weise werdet ihr über das Fest zurückschauen, ehe ihr eine Pause macht und die alte Gestalt ablegt und nach einem neuen Kleide greift und euch verjüngt.
Und auch die Weisheit ist wirklich und unwirklich zugleich, und darum werdet ihr nicht bei ihr verweilen. Die Weisheit ist eine hohe Kraft, die wir weder als Kind noch in den mittleren Jahren im höchsten Grade besitzen konnten, die erst beim Lebensabschied errungen wird. Die Weisheit ist die Freude des satten Alters. —
Aber über eurem äußeren und eurem inneren Leben, die wirklich und unwirklich zugleich sind, ist wirklich allein eure Schöpferkraft. Sie ist ewig und unendlich wirkend, sie war seit ewigen Tagen euer Eigentum. Sie führt euch durch die drei Festzeiten jedes Lebens. Sie erschafft euch Lebensgestalt um Lebensgestalt. Sie erschuf und vernichtet eure Gestalt und alle Gestalten um euch. Sie macht euch zum Geschöpf und Schöpfer. Sie kann euch nie genommen werden. Sie ist euer unendlicher Besitz und läßt euch ein unendliches Fest feiern, ohne Müdigkeit, ohne Eintönigkeit, ein unendliches Schöpferfest. —
Und seht noch einmal um euch! Alles, was ihr um euch empfindet, das seid ihr selbst. Nicht bloß euer Kleid schuft ihr euch, eure Schöpferkraft durchströmt alles und alle Leben, alle lebenden und toten Dinge um euch. Nie seid ihr allein, nie einsam. Nie sollt ihr ängstlich sein.
Was immer ihr empfindet, ist euer festlicher Besitz. Ihr braucht nicht danach zu greifen. So wie ihr es empfindet, ist es euer Besitz. Eure Schöpferkraft umschließt es, auch wenn ihr es nicht in den Taschen und in den Händen haltet.
Denn eure jeweilige Gestalt ist auch mit allen Leben verkettet. Wie euer Leib einen Kopf besitzt und ein Herz, und wie der Kopf eine Stirn besitzt, und wie das Herz im Besitz von Herzkammern ist, so ist euere Gestalt eingegliedert als Teil, als Geschöpf in die Welt. Und euere Gestalt ist Besitz der Welt, wie die Welt Besitz eurer Schöpferkraft ist. Das heißt: Ihr seid der Besitz aller, und ihr besitzt alle, — ihr seid Geschöpf und Schöpfer zugleich.