»Man heiratet nicht, um sich beneiden zu lassen, Elifar; laß die Sonne morgen wie heute untergehen, mein Sohn, und gib diese Heirat auf; gib nicht deinen Ring dem Mädchen mit der Brille, ich suche dir eine andere.«
Elifar steckte seinen Ring in die Westentasche und antwortete dem alten Rama. Aber auch diesmal wurden die Worte von der Luft mit fortgerissen, ohne daß sie der Vater hören konnte.
Einer der mächtigsten Aasgeier war von den Gärten der Totentürme herab mit großem und lautem Gekrächze über die beiden Herren geflogen und hatte Elifars Worte überschrieen. Nur Elifars Achselzucken sprach stumm zu Rama: Frauen ohne Brillen sind mir langweilig, weil sie so eitel sind wie ich, Vater.
Der Wagen hielt vor Ramas Villa zwischen den hohen Mauern der Gärten des Malabarhügels. Die beiden Herren wollten aussteigen, im gleichen Augenblick kehrte derselbe große Aasgeier im Fluge um und stob dicht vor dem alten Herrn über die Rücken der Pferde. Rama duckte sich unter dem Luftzug des Flügelschlages.
Die unruhigen Pferde zerrten den Wagen ein paar Schritte vorwärts, Ramas prachtvolle Uhrkette blieb an der Türklinke des Wagenschlages hängen und zerriß.
Der alte Parse erschrak über den Totenvogel und über seine zerrissene Skarabäenkette. Er betrachtete dieses kleine Unglück am Vorabend der Hochzeit als den Vorboten eines größeren. Er hätte gerne seinen Sohn noch einmal gebeten, die Hochzeit aufzuschieben, aber die eiteln Augen Elifars hinderten ihn am Sprechen, und der Alte sagte nur, als er ins Haus trat:
»Menschen, die sich nicht im Blut lieben, lernen sich niemals kennen, nicht einmal der Tod kann ihre kühlen Gedanken einigen.«
Am nächsten Abend um dieselbe Stunde saßen bei dem weitoffenen Gartentor des Hauses Rama die Hochzeitsgäste, die reichsten Parsen von Bombay, alle mit schneeweißen Togas bekleidet, und zeigten sich den Vorübergehenden der Straße. Tiefer im Garten gingen die Mütter und die älteren Frauen, gleichfalls in weiße wohlgeordnete Togas gehüllt.
Auf dem dämmerigen blauen Rasen deckten viele Diener eine lange Abendtafel mit weißen Seidentüchern, die Hochzeit neigte sich ihrem Ende zu.
Aloi, umgeben von fünfzig jungen Freundinnen, saß in einer offenen weißen Pfeilerhalle des Gartens. Braut und Brautmädchen trugen fast alle Brillen und waren alle in weiße silbergestickte Togas gewickelt. Die rosa Orchideen in den schwarz gescheitelten Haaren steckten gedankenvoll wie die Brillen an den jungen Mädchenköpfen. Die jungen Damen saßen im großen Kreis auf Stühlen und spielten Pfänderspiele und waren wie Kinder fröhlich, trotz aller Belesenheit.