Stahlboom, der Werkführer, spricht. Er ist schlank und gut gewachsen, trägt sich kavaliermäßig, wenn auch mit der Nuance des Fadenscheins, hat im Blick etwas fraglos Mutiges und Befehlendes, unterstreicht aber unnötig sein Selbstbewußtsein und zeigt zu oft kriegerisch seine zementplombierten Zähne.
„Uns hat man die Maschinengewehre genommen. Die Siedler haben sie behalten. Das erste muß sein, daß wir diese Maschinengewehre uns holen. Ehe wir die nicht haben, liegen wir im Wurstkessel und bleiben da liegen! Darum — die Baracke wird gestürmt! Die nötigen Leute haben wir. Gewehre und Handgranaten sind noch da. Noch sage ich. Die nächste Waffensuche kann uns auch die nehmen, und was dann!“
„Sturm auf die Baracke!“ fordert Kittel mit dem gellend pfeifenden Brand seiner Rede. Er war nur noch Feueratem und flammende Augen, sein Leib zerfallen, sein ganzes Wesen jetzt vollends von lauter Dynamitgängen ausgehöhlt.
„Machen wir uns das eine klar!“ betont das Falkenauge — er hat den Weitblick, die Zusammenhänge, das konsequente Denken, „mit diesem Sturm auf die Baracke ist es nicht getan. Wenn er gelingt, verpflichtet er zu der größeren Aktion. Mißlingt er aber, ist damit für unbestimmte Zeit unsere Unternehmungskraft hier zerschlagen.“
Sie berieten. Es wurde beschlossen, daß sie es wagen sollten. Stahlboom brachte den Plan in der Tasche mit. Am Abend sollte der Handstreich ausgeführt werden. In der Nacht würden sie dann das städtische Rathaus besetzen. Die Stadt wäre reif. Gäbe es einen Menschen in ihr, der zufrieden wäre? Und wäre es einer, wär er feige. Auf den Mut käme es an, auf die Tat! Nur die Tat zwingt die Herzen.
Vorbereitungen sind natürlich zu treffen. Aber diese Tage, die auch anderswo die Entscheidung bringen, müssen uns am Werke finden!
Vorbereitungen — dazu redet Knubart, und er wittert bedachtsam. „Wir haben es mit einem gefährlichen Feind zu tun. Kerle sind sie alle, die Siedler. Und ihr Führer, der Hauptmann Oldefeld — Lona, Sie kennen ihn ja persönlich.“ In seinem Blick ist die lauernde Kälte.
Lona hebt frei die Augen. „Ja, er ist mir bekannt.“
„Sie kommen öfter mit ihm zusammen —“
Nun widerstrebt sie doch, wie einem Verhör. All die Augen, die sich auf sie wenden, gebärden die sich nicht wie Richter über sie?