„Gesinnung — Stuhlbeine — viele gegen einen — der ahnungslos und wehrlos ist — das ist Gesinnung? Schweinkram ist es!“
Fünf stimmen ihm lebhaft zu. Andere nicken gelassener. Einer ruft: „der heilige Josef soll reden!“ Bei dem geht es ins Höhere und Tiefere, aber sowas wollen sie jetzt.
Gustav Elbenfried errötet wie ein Mädchen. „Ich soll —“
„Ja, du sollst“, rufen jetzt viele.
Der also Bestellte rudert mächtig mit den Armen durch die Luft, wie ein großer Vogel, dem der Aufflug nicht gelingt. Dann erst kommt er in Schwung, und seine Kinderaugen leuchten innig auf.
„Ihr hört von mir immer das alte Lied. Was ist Schuld an dieser Tücke, an diesem bösartigen Haß? Das, was die ganze Welt krank macht und verdirbt. Das Geld ist es, der Reichtum. Vom Geld kommt deshalb alles Üble, weil es das Lieblose ist. Darum macht es die Menschen böse. Christus wußte schon, was er vom Reichtum sprach. Was hat die Kirche, die selber Schätze sammelt — was hat sie von je gerade hieran herumgedeutet! Aber dies Wort müssen sie doch lassen stahn!“
Gisbert ist zu dem heiligen Josef getreten. Er sieht in der einen Ecke, wo der Schreiber Metzling sitzt, so etwas wie mißtrauische Blicke. Unterschicht — Oberschicht. Als ob die Offiziere schwiegen, um die Leute auszuhorchen. Nun nimmt er selbst das Wort. Er spricht schlecht, aber in dem, was er sagt, ist seine Seele.
Daß Elbenfried recht habe! In Reichtum und Macht kann niemals der Mensch sich ausleben, sich ausstrahlen, sich verwirklichen! In seinem Besitz, in seinen Genüssen, ist er auf sich selbst beschränkt, sein eigener Gefangener. Und so verdorrt er. Darum — er muß, muß heraus aus seinem Selbst. Nur so wird er frei, nur so wird er gut — denn frei und gut ist dasselbe. Und so befreit, in selbstloser Hingabe und Güte, gehören wir nicht uns, gehören wir allen. So erst sind die Kerkermauern unserer Endlichkeit durchbrochen. So erst haben wir teil an dem All, so erst sind wir vereinigt mit dem Wirken des Ewigen.
Dankwart rückt auf dem Stuhl, als brenne Feuer darunter, in seinem schweren Augenlid wettert es mit Macht.
Kunz aber springt in die Höhe. Seine Glieder fliegen. Etwas Ungebändigtes zittert in seinen heißen Augen. „Alle und das All — wollen wir herumhampeln im luftleeren Raum! Wollen wir im Äther vereisen! Deutschland ist das All! Wißt ihr, daß wir die Feinde im Lande haben — den Franzmann im Lande haben! Daß er uns das Mark aus den Knochen zieht! Und daß wir wehrlos sind! Entwaffnet! Entwaffnete deutsche Männer! Könnt ihr das aus- und zu Ende fühlen! Wollt ihr darüber eure südasiatische Weisheit kleistern! Das eine will ich jetzt wissen, ist ein einziger unter uns, der heut und morgen, so lange er lebt und leibt, nicht mit Jubel und Hurra und Hosianna dem Landesfeind an den Kragen geht, sobald der Tag der Erlösung naht! Und sich darauf freut! Das sollt ihr mir jetzt sagen — Du, Gisbert — und Gust Elbenfried, Du — und Du, Maurer Mulitz. Seid ihr bereit und freut ihr euch darauf?“