Der Anfang war nicht vielversprechend. Er zog rheinabwärts und klopfte in all den großen Fabriken an, die sich links und rechts des schönen Stroms aufgetan hatten. Aber auf seine Frage nach einer Anstellung fand er von Mainz bis Antwerpen nur ein Achselzucken. Und es beweist seine Energie, daß er nicht reumütig umkehrte, sondern über See nach England ging, um dort sein Heil zu versuchen. Auch hier wiederholte sich zunächst, was er auf seiner Rheinfahrt erlebt hatte: Monat für Monat wurde er abgewiesen, wo er anklopfte. Endlich aber kam der Tag, an dem sein Ausharren belohnt wurde: sein guter Stern führte ihn mit John Fowler zusammen, einem der größten englischen Maschinenfabrikanten, der hauptsächlich Dampfpflüge baute.
Fowler berief Eyth in seine Fabrik. Ein Schraubstock, an dem er arbeiten sollte, und dreißig Schilling Wochenlohn: viel war es nicht, was dem jungen Ingenieur geboten wurde. Aber er griff rasch entschlossen zu und hatte es nicht zu bereuen. Bald fand er an den Dampfpflügen Gefallen und Fowler an ihm. Auf der Londoner Weltausstellung hatte er schon als Vertreter der Firma die dort arbeitenden Dampfpflüge zu leiten. Da er sich dabei ausgezeichnet bewährte, entsandte man ihn im Anschluß daran nach Ägypten. Halim Pascha, der Oheim des damaligen Vizekönigs des Pyramidenlandes, einer der größten Grundbesitzer in der ungeheuren Nilebene, wollte seine Güter besser ausnützen, als dies bei der bis dahin üblichen, altväterlichen Weise des Ackerbaues möglich war. Er bestellte bei Fowler ein paar Dampfpflüge und Eyth wurde ausersehen, sie ins Nildelta zu bringen, dort aufzustellen und aus der eingeborenen Bevölkerung die nötige Bedienungsmannschaft heranzubilden.
Es war keine Kleinigkeit, die hier gestellte Aufgabe in einem halb zivilisierten Lande zu lösen. Aber Eyth fand sich in die fremdländischen Verhältnisse so glücklich hinein und stand so wacker seinen Mann, daß Halim Pascha ihm den Antrag machte, als Oberingenieur ganz in seine Dienste zu treten. Eyth ging darauf ein und blieb vier Jahre in Ägypten.
Dann trat er wieder in die Dienste der Fowlerschen Fabrik, aber nicht, um in England hinter Zeichentisch und Schraubstock zu sitzen, sondern um das in Ägypten begonnene Wanderleben weiter fortzusetzen. Zunächst sandte man ihn in die Vereinigten Staaten von Nordamerika, um hier den Dampfpflug einzuführen. Es war bald nach der Beendigung des Sezessionskrieges und der Niederwerfung der Südstaaten, als er den Boden der Neuen Welt betrat. Wie es ihm dort erging, das hat er in »Geld und Erfahrung« ebenso anschaulich wie humorvoll geschildert. Der Kontrast zwischen Nord- und Südstaatlern, das übertriebene Selbstgefühl des Nordamerikaners, sein Drang, Geld zu »machen« um jeden Preis, kurz, das ganze, seltsam zusammengesetzte Wesen tritt uns in der Geschichte lebenswahr entgegen. Und Eyth verhehlt dabei nicht, wie er, der so stolz war, in Ägypten sich durchgesetzt zu haben, dieser amerikanischen Art zunächst ziemlich hilflos gegenübersteht, wie er erst allmählich sie begreift und festen Boden unter die Füße bekommt. Schließlich gelang es ihm auch hier, seinem Auftrag gerecht zu werden. Aber schon harrten seiner neue Aufgaben in der alten Welt. In Deutschland, Österreich, Belgien hatte er zunächst tätig zu sein. Dann ging er mit seinen Pflügen ins Innere des heiligen Rußland, das er verließ, um Fowlers Maschinen in Rumänien einzubürgern. Von Rumänien zog er nach Italien, und weiter übers Mittelmeer in die heißen Gefilde Algiers. Dann beorderte man ihn in die Türkei, die er nur verließ, um nach Westindien zu fahren. Als seine Aufgabe da erfüllt war, schickte Fowler ihn nach Peru und von dort wieder nordwärts nach Kalifornien. Wahrlich, ein buntes, wechselvolles Wanderleben. Und er lebte es nicht in gemütlichem Behagen als Vergnügungsreisender: wohin er ging, folgte ihm als treue Reisegefährtin die Arbeit.
Aber nach zwanzig Jahren solcher Tätigkeit war seine Wanderlust befriedigt. Er gab seine Stellung bei Fowler auf und kehrte nach Deutschland zurück. Freilich war er nicht der Mann dazu, sich hier ruhig auf die Bärenhaut zu legen: Erstens gründete er die große Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, deren Leitung ihm bis 1896 oblag. Und dann ging er jetzt daran, was er erlebt und erfahren hatte, schriftstellerisch festzuhalten und andern mitzuteilen. Damit beschäftigte er sich, bis ihn am 25. August 1906 der Tod abberief.
Eyths Erzählungen dürfen also nicht als freie Erfindungen angesehen werden. Er hat in ihnen nur Bruchstücke seines eigenen, abwechslungsreichen Lebens aufgefangen und dargestellt. Er hat sich aber nicht damit begnügt, die Wirklichkeit so peinlich treu wiederzugeben, wie etwa ein Photograph es tun würde, sondern er hat jedes Stück in einheitlichen Fluß gebracht und geschickt abgerundet, wie ein Maler die darzustellende Landschaft abrundet. Und er hat seine Erlebnisse nicht rein sachlich, trocken und nüchtern heruntererzählt, sondern er hat die Erzählung mit seinem köstlichen, herzerquickenden Humor gewürzt. Er sieht all die kleinen Schwächen und Absonderlichkeiten der Menschen, mit denen er zu tun hat. Aber sie machen ihn nicht zum Griesgram und nicht zum bissigen Spötter. Er freut sich an ihnen und möchte die Menschen gar nicht ohne sie sehen. Er lacht über sie ein gesundes, herzhaftes Lachen und weiß uns dies Lachen durch seine Darstellung mitzuteilen. Seine Bücher sind voll gesunder Lebenskraft und Lebensfreude. Das macht sie dem Leser lieb und wert, und das ist der Grund, daß sie eine so große Verbreitung gefunden haben.
Hamburg.
Dr. Carl Müller-Rastatt.