2. Kapitel.
Der Zachenhesselhans hat sich ein fichtenes Stämmlein im Walde geschlagen. Dazu muß einer ausgehen, wenn der Waldheger unlängst des Weges gezogen. Hat eh seinen Zorn auf die Waldheger, der Hans! Vordem sind so Leute weithin nicht gewesen im Gebirg, und der Forst ist dennoch gewachsen wie heut auch, nur daß den Leuten, die daherum in der grünen Bergeinsamkeit daheim sind, das Leben ein wenig lustiger erschienen ist, als heutzutag. Aber –: verzürnen wir uns nicht über die Heger, denkt der Hans. Es ist noch Raum genug für einen rechtschaffenen Wäldler trotz derlei Leut, und ist auch Zeit genug, zu treiben, was einer mag.
Freilich, vordem, da ist einer wie der Zachenhesselhans wohl auch einmal auf das Rehböcklein gegangen und hat rechtschaffen genau gewußt, wo und wann das Böckl auf den Hau heraustritt. Wenn der Hans aus dem Zechenhäusl einmal den Stutzen hochgebracht, dann: gute Nacht Du liebes fröhliches Waldleben! Ein Krach – und noch ehe das Echo in den Schründen sich verlaufen, hat der Bock auf dem Rasen den letzten Schnaufer getan.
Wenn einer jung ist! denkt der Hans. Aber halt der Schnee, der einem ins Haar schneit, und das Augenlicht! Ist nicht alles mehr wie vor vierzig Jahren. Und just auch das Denken – ein Bürschl von zwanzig Jahren denkt anders als eins von sechzig.
Der Zachenhesselhans, der gerade dabei ist, mit der Axt die Aeste von dem Fichtenstämmlein zu trennen, hält ein wenig inne.
Ist da nicht einer durchs Holz gegangen?
An solch einem Abend, wenn die letzte Sonne rot in den Wipfeln brennt und der Heuduft von den Halden ganz leise hereinschwimmt in den Harzhauch der Wälder, da hört einer die Gräser reden und die goldenen Tropfen des Abendlichts aus den Fichten ins Moos fallen.
Der Zachenhesselhans lehnt die Axt an den Hackstock und schleift das Fichtenstämmlein an die Hüttenwand, wo der Graben herniederläuft. Dann schiebt er mit dem Fuße das Brett darauf, das auch sonst den Graben deckt.