»Jetzt« – der Zachenhesselhans saugt am Pfeiflein und meint: er sitz' in einer dichten Wolke Tabakrauch – »jetzt: da ist die »Wiener Damenkapell« in die Brüche gegangen … Willst etwas sagen, Weltfahrer? Sie hat gehalten? Gut. Hat sie – so ein Jahrer sechs oder zehn, i, was red' ich! Also: der Seppl hat sich gewöhnt, um die Morgenfrüh in die Federn zu kriechen und dem Herrgott seine Tage zu verschlafen. Des Nachts hat er gewacht, hat gesungen und Bier getrunken – hat eine verkehrte Welt gemacht. Jetzt – da hat sein schöne Singstimme einen Riß gekriegt, und die Gitarr hat nichts mehr recht gemacht. Von da ab ist der Seppl auf die Dörfer gezogen und hat auch wieder manchmal an's Waldland gedacht.

Warum ist er denn damals nicht heimgekommen?«

»Er dachte: er wollt's schon noch zu was bringen,« sagte der fahrende Mann.

»Recht so: geschämt hat er sich, weil er treulos geworden seinem Heimatland. Auf dem Stroh hat er geschlafen, all Nacht in einem andern Dorfgasthof. Auf einmal, da hat er sich wieder auf sein grünes Hütl besonnen und auf die härene Joppen und auf sein harzduftiges Tannenland. Und hat sich besonnen auf die Schwester, die daheim irgendwo hausen mag. Gott geb ihr die ewige Ruh! Schlaf sanft, Weiberl! Und wie er heimkommen ist, haben sie die Mali begraben gehabt. Und nun?«

»Nun will der Seppl sein Stückl Weg zu Ende laufen,« sagte der Musikmann leise.

»Recht so. Und das ist mein Exempel: Tut's draußen, was ihr wollt – ihr kommt zu nix und seid nix. Jetzt, wenn Du zusammenzählst, Seppl – was kommt heraus?

Null kommt heraus, Seppl! Null! Das is fei nix. Und da rechn' ich noch gut. Die Studierten sagen zu solch einem Sümmlein: ›minus‹. Das ist noch weniger als Null. Und wenn Du rechnen könntest, Seppl, ich glaube, das ist ›minus‹: verlorene Heimat, verlorene Jugend, verlorenes Leben, verlorene Heimat – verloren, alles verloren!

Und nun?

Jetzt bist wieder da und tätest justament gerne von vorn anfangen – 's is fei spät, Seppl, und lang hast nimmer Zeit, mein' ich. –

Nun hab ich doch auf das Fichtenstämml vergessen. Ich hab damit die andere Giebelwand stützen wollen. Na, so ist's eine Arbeit für den neuen Tag.«