»Du, Wawrl,« hebt der Tonl wieder zu reden an.
»Was meinst?« fragt das Wawrl und schaut immer noch nicht auf.
»Auf den Herbst heiraten wir zusammen.«
»Bist fei zum spaßen aufgelegt heut?«
»Wahr und wahrhaftig!« sagt der Tonl.
Der Wind, der wieder um den Heuhaufen guckt, denkt: jetzt nimmt der Tonl dem Wawrl seine Hand in die Linke und legt ihr den rechten Arm um den Hals. Der Wind wirft von dem lockeren Heu eine Handvoll herab. Aber das Wawrl kann's gar nicht sehen, denn der Tonl küßt ihr mit seinen roten Lippen die Augen zu. Jetzt – wenn ein solcher kommt, tut das Madl keinen Mux. Wenn es dagegen der Wind zaust, wird es nicht fertig mit schelten den ganzen Tag.
Mit einem Kuß ist es justament wie mit einem Grenzstein, denkt der Wind – immer, wenn der Tonl eine Weile erzählt hat: wie das Häusl unterm Sonnenwirbel ausschauen soll, wie die Halde, wie das Dächl, wie das Kammerl, dann drückt er immer einen Kuß hin: hernach redet der Tonl wieder kurz, dann busselt er wieder lang. Immer hübsch das Grenzsteinl nit vergessen, damit's keine Verwechslung gibt und nicht eins in das andere geplauscht wird …
Der Wurzltonl, wie er mit seinem Hücklein den steilen Berghang herauf gekraxelt ist und die Straße hereinkommt, läßt seinen Blick über das Grasland gehen und denkt: es hat fei gut gedörrt heute, und das Wawrl ist fleißig gewesen; denn es hat schon zu schobern angefangen. Das denkt der Wurzltonl, weil er drunten an der Halde den mächtig großen Heuhaufen sieht.
»Jetzt,« sagt derweil der Tonl zum Wawrl, »Dirnl, wir sitzen da im Schatten, bis die Sonne das Heu fertig hat. Um Vesper schau ich einmal; dann bieren wir, und eh das erste Tröpfl Abendtau auf den Berg fällt, ist die ganze Mahd unterm Dach auf dem Sonnenwirbel. Du aber tust fei langsam dabei, Dirnl, und läßt mich dreimal laufen, während Du einmal gehst.«