Er redete sich darüber in fernschauende Vergessenheit, aber es ward zuletzt doch nur ein Bild ohne den überirdischen Glanz, in dem seine Träume durch die Dämmerung gezogen waren. Das kam auch von der Scheu, vor den prüfenden Blicken der Tante und des Zinzilein alle Hüllen von der Seele zu werfen.

Darüber ward er schweigsam. Das Essen geschah ohne die begeisterungsvolle Hingabe, zu der er sonst imstande war, und er sah aus wie einer, der eine Erscheinung gehabt hat. Er war in der Dämmerung dieses Wintertags in einen neuen Abschnitt seines Lebens gesprungen.

Vor dem Schlafengehen nahm er sich das Zinzilein noch einmal zur Seite und sagte: »Du, das quält mich! Lach' aber nicht! … Es ist heute so etwas in mir aufgegangen – weißt Du, gerade wie damals, als die Schauspieler im Dorfe waren … Wir saßen in dem ganz finsteren Saale, auf einmal rollte der Vorhang empor – es blühte ein schöner Rosengarten dahinter und stand alles in so warmem Lichte … Jawohl, so ist es in mir gewesen! Zinzilein, sag es mir: ist das die Seele?«

Gott, wie purzelten ihm die Worte klug und unbeholfen über die Lippen!

Aber wenn er das alles hätte Veronika sagen sollen, wär' es noch reichlich dümmer geworden.

Das Zinzilein geriet an dieser Frage des großen Erwachens in Herzensnot. Es merkte: der Junge wollte eine sichere Rede hören über Dinge, die ihr selbst bis zu dieser Stunde nur unsichere Gedanken gewesen waren. Wie sollte sie denn das anfangen, ohne sich Jockeles Achtung und Liebe zu zertrümmern?

»Ja,« sagte sie aus großer Bedrängnis heraus, »das ist die Seele!«

»Das hab ich mir gedacht,« sagte er in aufatmender Befriedigung. »Ist Dir das auch so gegangen?«

»Aehnlich wird es wohl gewesen sein,« lächelte das Zinzilein. »Aber weißt Du, das sind Dinge, über die man erst klug reden kann, wenn man viel älter geworden ist. In der Jugend ist es genug, wenn man weiß, es ist etwas da, das einen von innen so warm und hell anscheint wie die Sonne von außen.«