Leibhaftig gesehen hatte er Do nicht in diesen Tagen, die so schläfrig im Nebel herumliefen. Aber nun ging er des Mittags immer den breiten Gartenweg, und nicht mehr durch die Schlüpfe, und richtete seine Blicke bei jeder Heimkehr aus der Stadt gegen ihre Fenster.

Es lag immer die gleiche undurchdringliche Ruhe dort.

Da befiel ihn die Sorge, es könnte Do etwas zugestoßen sein. Er suchte vor der Tür in dem aufgeweichten Wege nach der Spur ihrer Füße und fand sie nicht. Er ging an einem Abend viermal hinaus und sah, ob Licht hinter den Fenstern ihres Zimmers wäre – das Haus war gestorben. Er riß an dem Klingelstrange, daß die Glocke drinnen jäh aus ihrem Schlafe schreckte und Sturm läutete – »Wenn sie jetzt kommt,« dachte er, »so sag' ich: ›ich wollte sie nur noch mehr ärgern, als dies schon geschehen ist‹ – und dann frier' ich zu bis auf den Grund.«

Aber sie kam nicht. Da lief er gegen seine Gewohnheit in die Stadt, um eine ihrer Bekannten zu treffen. Vor jedem Menschen hatte er die Frage auf den Lippen: »Kennen Sie Doris Rinkhaus? Wo ist sie hingekommen?«

Als er beim Kaisercafé um die Ecke in die Schillerstraße einbog, war der Bummel der Weimaraner schon im Einschlafen. Die Rathausuhr schlug acht. Die Laternen spannten gelbe Brücken auf die glitschigen Steige, und was da in Regenzeug mit hochgeschlagenen Rockkragen dahinstapfte, waren »die nach Ladenschluß«. Nur aus dem Fauserschen Blumengeschäft bei dem Gänsemännchen brach noch ein verspäteter Strom Licht in den Nebel – Gwendolin stand drinnen in Blüten und steckte sich gerade drei rote Nelken in den Gürtel!

Er hatte all die Zeit her nicht das leiseste Verlangen gespürt, sie über ihr Verhalten in Ettersburg zur Rede zu stellen. Nun, da nur die blanke Scheibe zwischen ihm und ihr war, prallte er zurück – aber: »Träf' ich Dich nicht heute, träf' ich Dich ein andermal,« dachte er, sprang die Stufe empor und stieß hart gegen die Glastür; sie war geschlossen.

Da öffnete ihm Gwendolin –

»Wissen Sie, wo Doris Rinkhaus hingekommen ist?« fragte er.

»Aber ja,« sagte sie, »sie ist in Ibenheim! Und Sie wissen das nicht?«