Er ließ seine Augen nicht von ihr, denn sie war für ihn Komödie geworden. Aber sie schaute nicht auf. Dann sagte sie mit gesprungener Stimme: »Ich habe gedacht, es könnte Dir daran gelegen sein …«

»Daß Du mich vor einem Kellner zu einem Narren machst?«

Da erschrak sie und stand auf und legte ihre Arme um ihn. Er wehrte sie ab –

»Jetzt hast Du mir mitten aufs Herz getreten,« knirschte sie und setzte sich voll Bitternis in den Stuhl. »Ich habe Dich für jünger gehalten, als Du bist.«

Da lachte er gell auf – »Wär' ich älter, so hätt' ich Dich zur Dirne gemacht!« schrie er. »Aus! – Und nun sage mir: was weißt Du von Doris Rinkhaus? Ich werde von ihr das Leben erlernen müssen. Macht es Dich nicht nachdenklich, daß ich mich nicht an ihren Mund wagen würde? An diese hellen, kühlen, sauberen Lippen! Doris Rinkhaus hat einmal gesagt: Wer den Glauben an die Menschen nicht verlieren will, muß den Verkehr mit ihnen nach Möglichkeit einschränken. Warum denke ich nun daran, da ich Dich vor mir habe? Was weißt Du von ihr?«

»Daß sie nach Ibenheim gereist ist und in dem Hause wohnen wollte, in dem einst Maria Reh gewohnt hat. Sie wollte wohl auch wissen, wo Du daheim wärst, und wollte mit Tante Veronika zusammensein, die sie sehr schätzt.«

Das war so ohne Verhehlungen hingesagt, daß er ganz ruhig daran wurde. – Doris Rinkhaus hatte es sonst nicht leicht mit den Menschen, sie war hellsichtiger als alle ihres Alters, sie war fertig und selbstbewußt, und was ihr noch zu erleben blieb, nahm sie hin in der klaren Bewußtheit, mit der sie sich zu leben gewöhnt hatte. Sie machte sich ihre Tage selber.

Menschen solcher Art wachsen wenige und stehen fremd inmitten der zehntausend Schablonen, die um sie herumlaufen, und sie haben viele Feinde.

Gwendolin sagte: »Doris Rinkhaus ist eine kaltherzige Egoistin.«