Das Spiel stellte jenen Tag aus dem Leben des Henrik Tofte dar, an dem er gegen Abend ausgezogen war aus der Kümmerlichkeit der väterlichen Mietstube, um sich sein Brot als Anstreicher zu verdienen.

Es war ein Spiel, und es wuchs zu einem gewaltigen Erlebnis. Es war in zwei Stunden von Henrik Tofte herausgeschrieben aus einem Jahre seiner Vergangenheit. Und es war durch vier Tage gelernt worden von Weberkindern und Nane Thord, die sich dabei nicht in eine fremde Welt hineinzudenken brauchten. Und es waren harte und schmucklose Worte, die sie sprachen. Vater Skule Tofte aber war ein Philosoph im Weberkittel, der es sich angelegen sein ließ, dem langen Sohne Henrik die Lehre von der Allmacht des Schicksals ohne Mitleid ins Herz zu hämmern:

Das sollst du nicht vergessen: Armut stand
Gevatterin, als dich das Leben fand.
Mit Plack und Sorge salzt es uns das Brot,
Und was es draufstreicht, schmeckt nach Schweiß und Not.
Das Schicksal spinnt in weiße Seide ein,
Die's heimlich hätschelt, sanft wie Mondenschein.
Der Graben ist dein Grab; Staub ist dein Lohn:
Du bist des lieben Gotts verlorener Sohn.

So sah die Tröstung aus, die Skule Tofte seinem Ältesten Henrik mit auf den Weg gab.

Da es aber doch ein Spiel sein sollte, was man hier trieb, war es von dem Dichter nicht uneben erdacht, daß er am Ende die Schauspieler um einen Tisch gesetzt hatte, während die Mutter in einem Schrank nach Brot suchte und sprach:

Das Fach fast leer – wie ist das Herz mir schwer!
Wo nehm' ich morgen nur Kartoffeln her?

Und gleich rief das jüngste Töchterlein das Schlußwort:

Es kommt die Nacht, die keine Not bedrängt,
Weil da der Himmel ganz voll Talern hängt;
Leicht fällt den lieben Gott im Traum was an,
Wie er aus Steinen Semmeln machen kann.

Das war für die Zuschauer der gegebene Augenblick zum Mitspielen: im Nu war den Webersleuten der Tisch gedeckt, und auch der lange Henrik durfte umkehren und den Lohn für seine Mühe in Empfang nehmen. Henrik Tofte aber, der richtige, wollte auch nicht zu kurz kommen. Erst überzeugte er sich von der versöhnlichen Stimmung Gwendolins, dann trank er ein Glas Sekt.