Freiherr Samuel von Pufendorf, einer der Gründer der Wissenschaft des Natur- und Völkerrechtes, ist am 8. Januar 1632 zu Dorfchemnitz geboren. Er besuchte die Fürstenschule zu Grimma, widmete sich dann in Leipzig und Jena dem Studium der Rechte und wurde 1658 Hofmeister im Hause des schwedischen Gesandten Coyet in Kopenhagen. Die Schrift »Elemente der allgemeinen Rechtswissenschaft«, welche 1660 in Haag erschien, bewirkte 1661 seine Berufung zum Professor des Natur- und Völkerrechts an die Universität Heidelberg. Doch schon 1670 folgte Pufendorf einem Rufe an die neue schwedische Universität Lund. Durch weitere Schriften erhob er das Naturrecht zu einer selbständigen Wissenschaft. Für das Verhältnis des Staates zur Kirche schuf er die von allen gegenwärtigen Staaten angenommene Theorie des Kollegialismus. 1686 wurde er nach Stockholm berufen und zum Staatssekretär, königlichen Hofrat und Historiographen ernannt. 1688 begab er sich nach Berlin, wo er von dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg als Historiograph und Kammergerichtsbeisitzer angestellt und 1690 zum Geheimrat ernannt wurde. König Karl XI. von Schweden erhob ihn 1694 in den Freiherrnstand. Er starb am 26. Oktober 1694 in Berlin. Pufendorfs älterer Bruder, Esaias Pufendorf, starb am 26. Oktober 1689 als dänischer Gesandter in Regensburg. Derselbe hat mehrere theologische und historische Schriften veröffentlicht.

Nach Meyers Lexikon.

4. Gottfried Arnold, der Kirchen- und Ketzerhistoriker.

Der lutherische Theologe Gottfried Arnold ist am 5. September 1666 zu Annaberg geboren. Seine Studien machte er in Wittenberg. Im Jahre 1697 ward er Professor der Geschichte in Gießen. Sein Verkehr mit Spener in Dresden regte ihn pietistisch an. In Frankfurt und Quedlinburg kam er durch persönliche Verbindungen zu einem mystischen Separatismus. Er enthielt sich des Kirchenbesuches und verschmähte das heilige Abendmahl. 1698 legte er seine Professur nieder. Später, 1700, hat er sich verheiratet. Da er seine Ansichten geändert hatte, wurde er Hofprediger der verwitweten Herzogin von Sachsen-Eisenach in Allstedt. 1714 starb er in Perleberg als Prediger, nachdem er seit 1707 dort gelebt hatte. Vorher wirkte er seit 1704 als Prediger in Werben. Von Arnold rühren mehrere mystische Schriften her. Geistliche Lieder hat er auch gedichtet. Sein Hauptwerk aber ist die ihrer Zeit schon durch die Darstellung Aufsehen erregende »Unparteiische Kirchen- und Ketzerhistorie«, worin er der Ketzerei ein Streben nach wahrem Christentume zuschrieb und ihre Berechtigung durch die Mängel und die Ausbreitung der Kirche nachwies.

Nach Dr. Röselmüller.

5. Kramer, der Kirchenliederdichter.

Der berühmte Kanzelredner und Kirchenliederdichter Johannes Andreas Kramer wurde 1723 in Jöhstadt geboren. Er wurde 1748 Prediger zu Krollwitz bei Magdeburg. 1750 schon treffen wir ihn als Oberhofprediger in Quedlinburg. Seit 1754 ist er deutscher Hofprediger in Kopenhagen und seit 1765 zugleich Professor der Theologie ebenda gewesen. Lübeck berief ihn 1771 zum Superintendenten. Dann ward er 1774 erster Professor der Theologie in Kiel. Hier wurde er 1784 zum Universitätskanzler und Rektor ernannt. Am 12. Juni 1788 starb er in Kiel. – Er stiftete ein homiletisches Institut und ist der Gründer des ersten Schullehrerseminars für Schleswig-Holstein geworden. Auch gab er den Herzogtümern einen verbesserten Katechismus und ein neues Gesangbuch. Am bekanntesten sind unter seinen Werken seine »Sämtlichen Gedichte« und seine »Hinterlassenen Gedichte«, woraus viele Lieder in die Gesangbücher übergegangen sind.

Nach Meyers Lexikon.

6. Duflos, der Vater der Pharmazie.

Im Jahre 1889 starb zu Annaberg der Geheime Rat Professor Dr. Adolf Ferdinand Duflos, Ritter u. s. w. Er stammt aus Artenay bei Orleans in Frankreich und ist am 2. Februar 1802 daselbst geboren. In den Napoleonischen Kriegen kam er mit seinem Vater nach Torgau. Er fand ein Unterkommen bei dem dortigen Rektor Benedict, welcher später die Waise bei seiner Übersiedelung als Rektor der Lateinschule nach Annaberg mit sich nahm. Duflos trat als Lehrling in die Annaberger Apotheke ein. Als einst, den 27. Februar 1817, Apotheker Hertel einen Vortrag über die Beleuchtung durch Gaslicht aus Steinkohlen nebst einigen erläuternden physikalischen Versuchen in der Museumsgesellschaft zu Annaberg hielt, bereitete der damalige Apothekerlehrling Duflos das Gas dazu. Niemand mochte ahnen, zu welcher Bedeutung der 15jährige noch in ganz Deutschland gelangen würde. Er gilt in ganz Deutschland als »Vater der Pharmazie« und ist Verfasser vieler hochgeschätzter chemischer Werke. Seit 1866 lebte er in stiller Zurückgezogenheit in Annaberg. Sein Grab wird zu den berühmtesten des schönen Friedhofes gezählt werden. Er liegt im Brodengeyerschen Schwibbogen.