Ein ähnliches Kreuz liegt umgestürzt und vergessen am Fußwege, welcher von der Ehrenfriedersdorfer Hauptstraße links von der Großschen Wirtschaft im Grunde des Greifenbaches abzweigt, einige hundert Schritte oberhalb des Röhrgrabens. Der rührige Verschönerungsverein unserer Nachbarstadt wird hoffentlich dieses Denkmal aus vergangenen Tagen vor Überackerung und Einsinken schützen.

Hermann Lungwitz.

9. Sage.
Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt.

Einst hatten die Geyerschen Stadtpfeifer den Tanzenden im Thumer Ratssaale bis tief in die Nacht hinein aufgespielt und traten, nachdem der Reigen geendet, den Heimweg über den Greifenstein an. Als sie in die Nähe der alten Felsen kamen, schien es ihnen, als ob dieselben in einem besonderen Lichte erglänzten. Ein Spielmann machte den Vorschlag, zu Ehren des Greifensteins eine muntere Weise zu blasen. Wie gesagt, so gethan. Beim Abstieg nach Geyer sahen die Stadtpfeifer im Scheine des Mondes große Zinnstufen am Wege liegen, sie meinten, der letzte heftige Gewitterregen habe sie ausgewaschen. Ohne Säumen hoben sie die Stufen auf und steckten sie in ihren Rucksack. Als die Frauen und Kinder am andern Morgen die Rucksäcke nach einem Wurstzipfel oder sonst einer Gabe durchsuchten, wurden sie die Stufen gewahr und brachten sie zum Schmelzmeister. Der erkannte sie als reines Silber und lohnte die Frauen reichlich. Nutzen hingegen habe die reiche Spende des Greifensteins den Stadtpfeifern nicht gebracht, es sei alles wieder durch die Musikantenkehle geflossen.

Hermann Lungwitz.

10. Kurzer Abriß der Geschichte des Rittergutes Geyersberg.

Bereits mit dem Jahre 1510 erscheint im Erbbuch der Stadt Geyer das Besitztum Kaspar Thieles als ein ansehnliches Gut aufgeführt. Nachdem das Gut im Jahre 1535 in den Besitz Christoph Schnees übergegangen war, ließ es derselbe mit Genehmigung des Herzogs Heinrich zu einem Ritterlehen oder sogenannten Freihof erheben, um es dadurch der Stadtobrigkeit zu entziehen. Überhaupt scheint Schnee infolge seines hochfahrenden und willkürlichen Wesens zu dem Stadtrat von Geyer in sehr gespanntem Verhältnis gestanden zu haben, was aus den vielen Streitigkeiten hervorgeht. Nach dem im Jahre 1556 erfolgten Tode Schnees gestalteten sich die Verhältnisse des Freihofs »aufm Geyer« insofern ungünstig, als der nunmehrige Besitzer desselben, Heinrich von Etzdorf, als Amtmann von Koburg genötigt war, einen Verwalter, Lorenz von Wolnitz, auf dem Gute einzusetzen, der so wenig Aufsicht führte, daß der Rat in einem Schreiben vom Jahre 1564 über die durch unvorsichtige Gebaren der Gutsinsassen verursachte Feuersgefahr sich beschwerte und zugleich das Gemeindekapital von 247 fl. kündigte. Darauf sahen sich Schnees Erben nach einem Käufer um, den sie im Jahre 1565 in dem kurfürstlichen Landbaumeister Hieronymus Lotter fanden. Unter Lotters Verwaltung erreichte nicht nur das Rittergut seine Blütezeit, sondern es begann überhaupt in Geyer ein neues Leben, da Lotter den größten Teil des Geyerschen Zinnbergbaues besaß, den er schwunghaft betrieb. Von ihm erhielt das Gut den Namen »Geyersbergscher Hof« oder »Rittergut Geyersberg«, wie er es auch durch kurfürstlichen Lehnbrief vom Jahre 1569 erlangte, daß dasselbe auch auf die weibliche Linie forterben durfte. Doch trotz aller Erfolge sollte er gegen Ende seines Lebend noch in eine recht traurige Lage geraten, da er bei seinem Landesfürsten in Ungnade fiel und durch unglückliche Unternehmungen sein ganzes Vermögen verlor. Nach vierjährigem Elende starb er 1580 und hinterließ seinen 3 Söhnen ein zerrüttetes Erbe. Sie verkauften das Gut nach achtjährigem Besitze an ihren Hauptgläubiger Philipp Bruck, und dieser überließ es bereits 1590 für 1300 fl. an Paul Tanner und dessen Schwägerin Anna Buchner, die bereits vorher den Zinnhandel und Bergbau um Geyer in ihre Hände gebracht hatten. Da aber seit dem Jahre 1599, in welchem der letzte Sohn Lotters gestorben war, die Enkel des alten Lotter wieder Erbansprüche auf das großväterliche Gut erhoben, so kam es zu einem recht langwierigen Streit zwischen ihnen und den Tannerschen und Buchnerschen Erben, woraus der häufige Wechsel der Besitzer des Geyersberges erklärlich wird. Es folgten nämlich auf die Anna Buchner im Jahre 1615 zunächst deren Erben bis 1617, dann Paul Tanner auf Neunhof, von welchem es im Jahre 1619 der Hauptmann und Bergrat Samson von Hohenwald in Preßnitz kaufte. Letzterer suchte besonders durch Bierbrauerei und Holzverkauf Nutzen aus dem Rittergute zu ziehen, obwohl er die Kaufsumme für das Gut nie erlegte, sondern nur ein Angeld von 600 fl. an Tanner entrichtet hatte. Inzwischen wußten die Enkel des alten Lotter durch kurfürstlichen Bescheid den Kauf des genannten Hohenwald rückgängig zu machen und verglichen sich bald darauf mit den Tannerschen und Buchnerschen Erben, sodaß das Rittergut samt Zinnbergwerk im Jahre 1627 in den Besitz Ludwig Lotters gegen Zahlung von 5000 fl. überging. Alle Bemühungen des neuen Besitzers um Hebung des arg vernachlässigten Gutes waren erfolglos in der Schreckenszeit des 30jährigen Krieges; denn zweimal wurde der Geyersberg geplündert, sodaß er 3 Jahre lang im wüsten Zustande blieb. Lotter selbst wurde öfter von den Feinden mißhandelt und gepeinigt. Als er kurz nach dem Friedensschlusse aus dem Leben schied, hatte der Besitz des Gutes so wenig Verlockendes für seine Erben, daß das Gut bereits 1652 an einen böhmischen Exulanten, Edeslaw von Stampach, verkauft wurde, der bereits das benachbarte Rittergut Tannenberg besaß. Er erlebte ruhigere Zeiten bis zu seinem Tode im Jahre 1666. Seine beiden Töchter verkaufen schon 1669 das väterliche Erbe an den Obersten Heinrich von Bünau für 1000 Mfl., welchem aber nur eine zehnmonatliche Verwaltung desselben beschieden war. Auch seine Erben, 2 Töchter, dachten bald wieder an Veräußerung des Gutes und verkauften es 1678 für 1200 Mfl. an den böhmischen Exulanten und damaligen Besitzer des Rittergutes Tannenberg, Felix Friedrich Hruschka von Briexen. Auch dieser konnte in 26jähriger Bewirtschaftung das Gut nicht heben, sondern hinterließ es bei seinem Tode 1704 in ganz verfallenem und trostlosem Zustande, sodaß seine 4 Töchter das Kaufgebot des Georg Erasmus von Hartitzsch in Lichtenberg bei Freiberg gern annahmen. Da aber das Gut mit großen Schulden belastet und in schwere Händel mit dem Stadtrat verflochten war, wurde von den Gläubigern und vom Rate Einspruch gegen den Kauf erhoben. So geschah es, daß Erasmus von Hartitzsch 1709 starb, ohne überhaupt in den Besitz des Geyersbergs gelangt zu sein. Erst der nächste Kauf des Oberstleutnants von Haß wurde rechtskräftig. Haß, »ein Ordnung und Frieden liebender Mann«, vermochte den Stadtrat zur Ausfertigung einer Urkunde über Gerechtsame und Grenzen des Rittergutes, in welcher als Zubehör desselben genannt werden: ein Brauhaus, ein Malzhaus, die 2 Türme der Kirchhofmauer und ein überbautes Erbbegräbnis mit Kirchenchor. Trotz eines Testamentes entstanden nach dem Tode des alten Haß 1736 Streitigkeiten unter den Erbberechtigten, wobei sich gelegentlich der Erörterungen über die eigentümlichen Verhältnisse des Gutes ergab, daß es seit 1602 auf Bitten der Anna Buchner in ein Erbgut – doch mit Vorbehalt der Lehensfolge – verwandelt, demnach unter dem Namen eines Erblehngutes fortgeführt worden sei. Das Gut ward nunmehr 1744 einem Erben des letzten Besitzers, dem Hauptmann von Reitzenstein, verlehnt. Unter seiner Verwaltung steigerte sich der Wert desselben dergestalt, daß er es im Jahre 1754 für 3700 Thaler an Julius Heinrich von Schütz auf Thum, Hauptmann der Ämter Stollberg, Wolkenstein, Lauterstein und Frauenstein, verkaufen konnte. Bald aber begannen die Leiden und Drangsale des 7jährigen Krieges, während dessen Stadt und Rittergut Geyer durch Einquartierung und Kontributionen stark litten. Amtshauptmann von Schütz starb in der Zeit, da der Notstand seine höchste Stufe erreicht hatte, Anfang des Jahres 1763. Seine Witwe verkaufte das Gut für 3400 Thaler an den Oberstleutnant Friedrich Theodor von Peterkowsky. Der neue Besitzer hatte noch unter den schweren Folgen des Krieges zu leiden, welche durch die Teurung und Hungersnot der Jahre 1771 und 1772 noch verschlimmert wurden. Als er 1781 starb, hinterließ er seinen Erben das Gut mit einer schweren Schuldenlast. Mit Mühe behaupteten sich die Erben 6 Jahre im Besitz, worauf Konkurs ausbrach. Bei der hierauf folgenden öffentlichen Versteigerung wurde es dem Posamentiermeister und Handelsmann Johann Georg Thierfelder aus Thum für 3520 Thaler zugesprochen. Er hätte es am liebsten bald wieder veräußert, wenn sich ein Käufer gefunden hätte. So aber bewirtschaftete er es bis zu seinem im Jahre 1813 erfolgten Tode. Erbin war seine einzige Tochter Frau Schulz, welche wieder schwerere Zeiten erlebte, infolge deren sie Teile ihres Grundstückes an den Tannenberger Rittergutsbesitzer, Kaufmann Hänel in Annaberg, verkaufte. Unter ihrem Sohne und Nachfolger Friedrich August Schulz gingen die mit dem Lehngute von jeher verbundenen Ober- und Niedergerichte auf den Staat über; ebenso machte sich das neue Grundsteuersystem bei dem Geyerschen Rittergute geltend. Schulz verkaufte das Gut 1859 an Karl Heinrich Zimmermann für 6420 Thaler. Derselbe nahm mit größter Energie die Verbesserung des Gutes in Angriff, ließ die Gebäude neu herstellen und errichtete eine Brauerei. Nachdem Herr Zimmermann das Gut eine lange Reihe von Jahren vorzüglich bewirtschaftet hatte, wurde es im Jahre 1891 an Herrn Hugo Diendorf zu einem Preis von 77 000 Mark verkauft. Herr Zimmermann ist am 6. Dezember 1891 gestorben. Herr Diendorf veräußerte die Grundstücke, und die Gebäude gingen am 8. September 1894 an Herrn Karl Wilhelm Moritz Schürer über. Der genannte Herr verwendete die Nebengebäude zur Errichtung einer Holzwarenfabrik, bekannt unter der Firma: Erste Sächsische Waschbretterfabrik C. M. Schürer. Die Brauerei hatte bereits vorher Herr Franz Naumann erworben. Noch schaut das im wesentlichen unverändert gebliebene Wohnhaus des Hieronymus Lotter auf die alte Bergstadt Geyer herab.

Erster Abschnitt.
Die Landschaft des Obererzgebirges.

1. Unera Hamet.

Wenn anr ins Gebörg rauf kimmt
Dort aus n Niedrland,
Do möcht r alles ah su sah,
Wie sinst in Bichrn stahnd.