Weise: Gott sei mit dir, mein Sachsenland.
Macht uns die Sorge still und matt
Auf harter Lebensbahn,
Sind wir des Kohlendunstes satt,
Dann zieh'n wir flugs bergan:
Hinauf, wo reine Lüfte weh'n,
Im blauen Duft die fernen Gipfel steh'n,
Hinauf, hinauf ins Bergrevier!
O Greifenstein, o Morgenleit',
Ihr locket mit Gewalt!
O Auersberg im grünen Kleid,
Du hoher Spiegelwald,
Des Sonnenwirbels mächt'ger Thron:
Ihr gebt dem Steiger schönsten Lohn;
Seid uns gegrüßt vieltausendmal!
Aus dunklen Forsten, treu gepflegt,
Rinnt froh der reine Quell,
Der Kuckuck ruft, der Finke schlägt,
Die Amsel jubelt hell.
Wie beut dem Aug' ein lieblich Bild
Am steilen Hang das edle Wild.
Wie schön bist du, o Erzgebirg'!
Mit Felsenboden mutig ringt,
Nicht achtend Sturm und Eis,
Bis er zur kargen Frucht ihn zwingt,
Des Erzgebirgers Fleiß.
Dein zahlreich Volk auf magerm Land,
Wie rührt es froh und flink die Hand:
Glückauf, Glückauf, du wackerer Stamm!
Orangen wachsen dir nicht wild,
Auch Myrte schwer gedeiht,
Dafür belebet dein Gefild
Lust und Zufriedenheit.
Und wird auch rar dein glänzend Erz:
Du machst gesund ein jeglich Herz:
Behüt dich Gott, du fröhlich Land!
T. S.
3. Die Bedeutung des Erzgebirges für das Vaterland.
Das Erzgebirge ist seinem Hauptteile nach ein Kammgebirge. Untergegangen sind die Erinnerungen an die Wenden, bis auf einige Ortsnamen in ihrer Sprache. Auch sind im Aberglauben noch schwache Spuren des kleinen, schwarzhaarigen, fremdsprechenden Volkes, das im verschwiegenen Waldthale dem wenig freigebigen Boden mühsam Nahrung abrang, sich in selbstgewebte grobe Leinen kleidete und vielleicht mit dem behaarten Fell des bekämpften und erlegten Waldtieres gegen das rauhfeuchte Klima des Miriquidiwaldes schützte.
Germanen bewohnten das Gebirge erst vom 14. Jahrhundert an. Im 15. Jahrhundert werden Neustädtel, Schlema, Grünhain außer wendisch benannten Orten schon erwähnt. Da nur wenige zum Kamme vordrangen, blieb das wilde Waldgebirge eine Scheidewand zwischen den Wohnplätzen der Slaven in Böhmen und derer in Sachsen. Die Scheidewand erleichterte die Erhaltung und Einführung des Deutschtums und damit einer höheren Entwicklungsstufe.