Das Erzgebirge zerfällt in das westliche, mittlere und östliche Erzgebirge. Das mittlere liegt zwischen Schwarzwasser und Freiberger Mulde. Elster und Gottleuba begrenzen das ganze Gebirge im Westen und Osten.
In der Richtung von Süd nach Nord unterscheidet man das Obere und das Niedere Erzgebirge; jenes reicht von dem zusammenhängenden Kamme, der eine durchschnittliche Höhe von 800 m hat, etwa bis Falkenstein, Schneeberg, Thum, Wolkenstein, Frauenstein und Schmiedeberg; dieses von den genannten Orten bis in die Gegend von Zwickau, Lichtenstein, Chemnitz, Frankenberg, Hainichen, Nossen, Tharandt. Im mittleren Teile des Erzgebirges kommt der jähe Absturz nach Süden und die sanfte Abdachung nach Norden am meisten zur Geltung.
Das Gebirge besteht aus Urgebirgsarten: Thon- und Glimmerschiefer, Gneis und Granit. Gneis herrscht im Osten vor und reicht bis weit ins mittlere Erzgebirge nach Schlettau, Wolkenstein, Schellenberg. Der Gneis ist die wahre Erzmutter. Um Eibenstock herrscht der Granit. Besonders bemerkenswert sind die Basaltberge des Obererzgebirges: Pöhlberg, Bärenstein, Scheibenberg.
Aus Urgebirge bestehen: Keilberg (1238 m), Fichtelberg (1213 m), der Spitzberg bei Gottesgab (1107 m), der Auersberg bei Wildenthal (1021 m), der Kupferhügel bei Kupferberg (906 m), der Schneckenstein bei Gottesgab (874 m), die Morgenleite bei Schwarzenberg (808 m), der Greifenstein bei Geyer (731 m).
Die Basaltberge sind: der Haßberg bei Preßnitz (991 m), der Bärenstein bei Weipert (898 m), der Pöhlberg bei Annaberg (832 m), der Scheibenberg bei gleichnamiger Stadt (805 m), letztere drei in Grabhügelform.
Bei Eibenstock, Schwarzenberg und Crottendorf befinden sich große Staatsforsten. Fichtenwald herrscht vor, doch finden sich bei Marienberg und Steinbach auch zusammenhängende Buchenbestände.
Die wichtigsten Flußthäler des Obererzgebirges sind: das Schwarzwasserthal, das Zschopauthal, das Flöhathal, das Sehmathal. Das wildeste ist das der schwarzen Pockau.
Im Obererzgebirge sind folgende meteorologische Stationen zu merken: Annaberg, Oberwiesenthal, Reitzenhain. Dem Obererzgebirge ist bisher die Cholera fern geblieben. Bei Gottesgab und Oberwiesenthal erntet man nur Hafer und Kartoffeln.
Bei der Urbarmachung des Gebirges verfuhr man nach dem Grundsatze: »Wo der Pflug kann gehn, soll der Wald nicht stehn.« Am Kamme des Gebirges beträgt die Bevölkerungsdichtigkeit 90–95 auf den Quadratkilometer, am Abhange 145–155.
Wie anderwärts, so hat sich auch im Obererzgebirge jede Industrie in bestimmten Bezirken festgesetzt, demgemäß giebt es bestimmte Industriebezirke. Holzschleifereien, Sägemühlen, Baumwoll-, Woll- und Flachsspinnereien, also alles Fabriken, welche Wasserkraft brauchen, finden sich in den Thälern der Sehma, der Pöhla, der Preßnitz, der Zschopau, der Flöha.