Der Engel Gabriel.
Fried, Freud und ewig Seligkeit
Sei euch allen von Gott bereit,
Auch ein glückselig neues Jahr
Geb euch Gott und immerdar!
Weil heut zu dieser Abendzeit
Die ganze werte Christenheit
Sich freuen thut des heil'gen Christ,
Der jetzt gar noch vorhanden ist,
Insonderheit die Kinderlein
An diesem Abend die frömmsten sein,
Indem sie nach den schönen Gaben
Ein herzliches Verlangen haben,
So hat mich das Christkindelein
Jetzt selbst zu euch gesandt herein,
Daß ich euch seine Gegenwart
Anzeigen soll zu dieser Fahrt,
Und ihm bereite seinen Thron,
Darauf sich setz der Gottessohn.
Darum, ihr lieben Kinderlein,
Seid still, merkt auf und lernet fein
Alles, was euch der heil'ge Christ
Befehlen wird zu dieser Frist.
Hierauf klopft ein anderer Engel oder auch statt des Engels ein Bauer draußen an die Thür und spricht:
Glück denen, die darinnen sein,
Macht auf, macht auf und laßt uns ein!
Dann tritt der Heiland ein, dem der Engel Michael vorangeht.
Der Heiland.
Eine kurze Zeit verlaufen ist,
Daß ich, genannt der heil'ge Christ,
Mein' treuen Diener in alle Land
Nicolaum hab' ausgesandt,
Daß er zum Gebet und Frömmigkeit
Die kindlich Jugend mach bereit.
Weil aber die Zeit vorhanden ist,
In welcher beschert der heil'ge Christ,
So bin ich selber kommen rein,
Zu sehen, ob die Kinderlein
Gelebt han nach mein' Gebot,
Ob sie auch treulich gefürchtet Gott,
Ob sie auch meinen Namen geehrt
Und fleißig Gottes Wort gehört,
Ob sie Vater und Mutter fein
Gehorcht und gehorsam gewest sein.
Darum, ihr Eltern, so saget an,
Wie sich die Kinder gehalten han.
Beklagen sich die Eltern über ihre Kinder, so spricht der Heiland:
Der Eltern kläglicher Bericht
Erfreut mich itzund wahrlich nicht.
Darum ich billig Ursach hab,
Diesen Kindern durchaus keine Gab
Zu geben. Drum nehmt, ihr Diener mein,
Die Gaben, so ihr bracht herein.
Ich weiß noch frömmer Kinderlein,
Da woll'n wir jetzund kehren ein
Und ihnen geben die schönen Gaben,
Die sie gar wohl verdienet haben.
Beklagen sie sich aber nicht, so hebt Uriel an zu klagen: