Bald nach der Gründung der beiden sächsischen Städte Annaberg und Buchholz entdeckte man auch Silber auf der böhmischen Seite des Erzgebirges. Im Jahre 1516 ward Joachimsthal in Böhmen gegründet und 1520 zur freien Bergstadt erhoben. Gewöhnlich nimmt man an, daß die dort vom Jahre 1519 an geprägten Münzen abgekürzt »Thaler« genannt worden seien und dadurch dieser Name für jede Münze von gleichem Werte in Gebrauch kam, was aber von Sachkundigen bezweifelt wird. Man leitet richtiger den Münznamen von talentum ab.
Was die Gründung anderer Städte des Obererzgebirges infolge reicher Erzanbrüche betrifft, so merke man noch: Im Jahre 1517 wurden Gottesgab, Eibenstock und Jöhstadt, eigentlich Josephsstadt, gegründet, 1521 Marienberg, 1522 Scheibenberg, 1526 Wiesenthal, 1532 Platten.
Das Gebiet, wo die Städte Gottesgab und Platten damals erbaut wurden, gehörte 1459–1547 durch den Vertrag zu Eger zur Mark Meißen, fiel aber infolge des Wittenberger Vertrages an Böhmen zurück.
Jenesius sagt in seiner Geschichte Annabergs: »Die Bergstädte haben ihren Namen nicht von ohngefähr, sondern aus reifem Nachdenken bekommen. Meine Vaterstadt ist anfangs Schreckenberg genannt worden. Aber es wurde kurz hernach, auf Ansuchen des Herzogs Georg und der Bürgerschaft durch den Kaiser Maximilian I. bewilligt, daß dieselbe Sankt Annaberg heißen sollte. Die böhmischen Grafen von Schlick nahmen von der Benennung dieser Stadt Veranlassung, die von ihnen erbaute Stadt nach dem Ehemanne der Anna Joachimsthal zu nennen. Dies bewog ferner den sächsischen Fürsten Heinrich den Frommen, den Bruder Georgs, daß er der von ihm gegründeten Stadt den Namen Marienberg beilegte und den Flecken, welcher an der äußersten Grenze des Meißener Landes in waldiger Gegend liegt, Jöhstadt, d. i. Josephsstadt, benannte. Es gefiel also den Herren dieser Länder, die Städte nach denen zu benennen, die die Voreltern des Heilandes nach dem Fleische waren, damit die Einwohner zur Verkündigung der Wohlthaten Christi entzündet würden und sich ihnen mit Seele und Leib, mit Hab' und Gut weihten.«
4. Jüngere Gründungen im Obererzgebirge.
Der Bergbau in Buchholz war durch einen furchtbaren Wolkenbruch am 21. Juli 1565 fast ganz vernichtet worden, und im Jahre 1568 hatte die Pest Annaberg und die Umgegend verheert. Auf Anregung des Kurfürsten August ward damals überall im Lande nach neuen Schätzen des Erdbodens geforscht. So wurde 1546 der Serpentin bei Zöblitz entdeckt. In den Kalkbrüchen von Crottendorf fand man 1575 abbauwürdige Marmorlager. Der daselbst gebrochene Marmor ist bis auf die Gegenwart herab vielfach zu Bauwerken und Kunstgegenständen verwendet worden. Seit einigen Jahren hat jedoch die Ausbeute an Marmor aufgehört und es wird nur Kalk gefunden.
Nach Schulrat Dr. Spieß.
26. Die Urbarmachung des Gebirges.
Das wilde Gebirge ist auf mannigfaltige Weise urbar gemacht worden. Es geschah durch Räumung und Abziehung der Wälder, Anlegung geraumer Wege und Pässe, Brückung und Austrocknung der Moräste, Ausbrennung der Heiden, Ebnung der struppichten und wilden Beerhübel. Auch geschah es durch Ausrottung der Stockräume, Ablesung der Steine und mühsame Wegschaffung der Wacken, womit die Berge und Felder überhäuft waren. Das ist besonders bei so vielen mitten im wilden Walde angelegten und erbauten Dörfern, Flecken und Städten geschehen. Ferner trug der Bergbau zur Urbarmachung bei, indem dadurch vermöge der Bergfreiheit viele hunderttausend Stämme und Schragen Holz weggetrieben und verbaut wurden. Die Hammerwerke, welche durch ihre Holzbauer und Kohlenbrenner die allergrößten Wälder sehr gelichtet haben, hatten auch daran Teil.
Bis tief in das 13. Jahrhundert hinein, dann wieder zu Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, stellenweise selbst bis in die neueste Zeit ist das Ausroden des Waldes, um Ackerland und auch Wiesenland für neue Ansiedelungen zu gewinnen, im umfangreichsten Maße betrieben worden. Jahrhunderte lang bildete der Wald den unerschöpflich erscheinenden Vorrat, durch dessen Niederschlagen man Raum für Feld, Holz für Bauten, Bergwerks- und Hüttenanlagen, Geld für Zinsen und Steuern u. s. w. erlangen konnte, ohne an die Wiederaufforstung kahl geschlagener Höhenzüge und Abhänge denken zu müssen. Der Wald war die unerschöpfliche Geldquelle für den fortschreitenden Anbau. Erst Jahrhunderte später, nachdem das Land durch die länger als ein halbes Jahrtausend fortgesetzte Urbarmachung und Zerstörung des Waldgebietes seine gegenwärtige Oberflächengestalt und Bedeckung gewonnen hat, ist man zu der Überzeugung gekommen, der Waldvernichtung nicht bloß Einhalt thun zu müssen, sondern auch das Waldgebiet durch Neuanpflanzung erhalten und vergrößern zu sollen.