29. Einzelansiedelungen im Obererzgebirge.

Der Einzelansiedler hatte vollständig freie Hand, sich anzubauen, wo es ihm gefiel. Da gab es bis in die neueste Zeit Einzelhäuser im Walde und Einzelgehöfte vor dem Walde und an dessen Rande, ungerechnet die zahlreichen Mühlen, welche einsam an den Wasserläufen und in den prächtigsten Thalstrecken entlang verstreut liegen. Die verschiedenen Häusergruppen auf dem Gebirgszuge zwischen Freiberg und Brand, die Höfe von Drachenwald und Neusorge, die Gehöfte und Häusergruppen »Auf dem Gebirge« bei Marienberg, die verschiedenen Vorwerke bei Ehrenfriedersdorf und Geyer, sowie im Nordosten von Annaberg und im Norden von Buchholz, die Höfe am Bärenstein, die Vorwerke bei Oberwiesenthal, die Berghäuser bei Unterwiesenthal, die Tellerhäuser bei Oberwiesenthal, die verschiedenen Vorwerke bei Schwarzenberg, Brünnlaß am Gleesberge, die Sonnenwirbelhäuser, die Unruhe, die Spitzberghäuser, die Försterhäuser und andere geben sämtlich Beispiele für die Einzelansiedelungen, sei es als Jäger, Wilddieb, Kohlenbrenner, Bergmann, Viehzüchter und Ackerbauer.

Nach M. v. Süßmilch.

30. Die Bauart des Erzgebirgshauses.

Das für das Erzgebirge eigentümliche Wohnhaus ist das Blockhaus. Das ursprüngliche Blockhaus ist allerdings nur noch in mäßiger Anzahl zu finden, da bei allen neuen Bauten die gesteigerten Holzpreise, sowie staatliche und örtliche Bauvorschriften die Errichtung von wirklichen Blockhäusern verbieten. Das Blockhaus, wie man es in der ursprünglichen Bauweise an einzelnen Stellen noch vortrefflich erhalten findet, und zwar für eine Familie, ist die Grundform für alle Hausbauten auf dem Gebirge.

Auf einem Viereck von großen Steinen in Trockenmauer, seltener in Lehm- oder Kalkbau, steht das aus zweikantig beschlagenen, auf den beiden übrigen Seiten nur geschälten Balken errichtete Haus. Die Balken liegen wagerecht; ihre Enden sind über einander geschnitten und ragen etwa eine Hand breit vor. Die Balken waren 30 bis 35 cm starke Bohlen, und man fügte dieselben zwischen stehende Säulen von 30 cm Stärke. Für Thüre und Fenster sind entsprechende Öffnungen gelassen. Die inneren Zwischenwände sind ebenfalls Blockwände. Nur zur Aufnahme der Esse und Abgrenzung einer kleinen, schwarzberußten Sommerküche ist Mauerwerk von mehr oder weniger hart gebrannten Ziegeln aufgeführt. Die Fugen zwischen den Balken sind mit Moos, Erde oder Lehm ausgestopft und das Innere ist mit Kalkfarbe gestrichen, bei wohlhäbigeren Bauten aber mit Holzverkleidung bedeckt. Die Stuben- und Kammerdecke ist mit Brettern zwischen den Balken verschlagen; die Fenster sind mit Läden versehen. Die Holzverkleidungen sind meist in Felder geteilt; aber eigentliche Holzschnitzereien sind nirgends zu treffen. Zunächst der kleinen Hausflur befindet sich eine ungefähr 5 m im Gevierte haltende Stube, an dieser eine Kammer. In der Stube steht ein großer Kachelofen, in der kleinen Küche ein Herd. Das zweiseitige, mit Schindeln gedeckte Dach bildet ein gleichseitiges Dreieck über den niederen Außenwänden. Die über das Dach wenig aufragende Esse ist von Lehmsteinen oder Ziegeln gebaut, mit einer Holzverkleidung umfaßt und mit einem Wetter- und Schneedache überdeckt. Zu dem Dachboden führt eine offene Stiege. Dem Verlaufe der Ansiedelung entsprechend, liegen die Häuser vereinzelt, mitten im Lande, am Wege oder in Gruppen über oder nebeneinander, am Abhange oder auf dem Bergvorsprunge.

Nach M. v. Süßmilch.

31. Der erzgebirgische Kirchenbau.

Die Grundrisse der erzgebirgischen Kirchen verraten eine gemeinsame Kunstanschauung. Die zu Annaberg besteht aus drei Schiffen, von welchen das mittlere nur wenig breiter ist als die äußeren. Gegen Osten sind drei aus dem Achteck gebildete Chorbauten angeordnet. Der Bau bildet im übrigen ein Rechteck, welches etwa doppelt so lang als breit ist.

Die Kirche zu Pirna entspricht der Annaberger fast völlig. In dieser Planbildung sehen wir die ältere Schule jener Gegend; denn die Pirnaer Kirche entstand seit 1504. Ihr Meister dürfte jener Peter von Pirna sein, von dem wir wissen, daß er vor Jakob von Schweinfurt in Annaberg baute.