Von Tannenberg wird aus jener Zeit berichtet, daß am 27. November 1706 an 25 schwedische Soldaten mit einem Leutnant, einem Feldwebel und einem Fahnenjunker einquartiert wurden. Dieselben haben alle Tage zweimal Betstunden gehabt. Zu Weihnachten und am neuen Jahre 1707 haben schwedische Feldprediger in der Tannenberger Kirche Predigt gehalten. Nach Lichtmeß, den 4. Februar, 1707 hat sich ein schwedischer Student in derselben Kirche als künftiger Feldprediger hören lassen. Es haben zu dieser Zeit auf einmal »über die 400 Schweden und mehr in der kleinen Kirche« Gottesdienst gehabt. »Das schwedische Volk ist von hier aus dem Lande wieder weggekommen am 23. August 1707.«
Außer den genannten Orten Annaberg, Geyer und Tannenberg hatten auch Schneeberg, Wolkenstein, Marienberg und andere Städte des Gebirges ebenfalls schwedische Besatzung. Bis zum Sommer 1707 blieben die Schweden im Lande. Trotz des Altranstädter Friedens vom 24. September 1706 ruhte die Hand des Schwedenkönigs, Karls XII., schwer auf Sachsen. Die Schweden lagen in allen Städten. Sie hielten zwar strenge Manneszucht, mußten aber von den hart gedrückten Einwohnern beköstigt und gekleidet werden.
Die gesamten Kosten dieser schwedischen Besatzungen in Sachsen werden auf 23 Millionen Thaler berechnet, und lange seufzten unsere Vorfahren über diese neue »Schwedenangst«. Endlich im August 1707 verließen die Schweden neugekleidet und wohlgenährt Sachsen, um gegen Peter den Großen von Rußland zu ziehen. Dort wurden sie im Jahre 1709 bei Pultawa geschlagen. Der größte Teil fiel, ein anderer wurde nach Sibirien geschickt und sehnte sich vergebens nach den Fleischtöpfen Sachsens und den warmen Öfen des Erzgebirges zurück. Sie konnten recht deutlich die Unwahrheit der Bezeichnung des Erzgebirges als »sächsisches Sibirien« an sich erleben.
Die Schweden waren im September 1706 in einer Stärke von 19 000 Mann nicht im besten Zustande nach Sachsen gekommen. Viele Sachsen, auch Erzgebirger, wurden dem schwedischen Heere einverleibt, sodaß das schwedische Heer 32 000 Mann stark, neugekleidet und wohlgerüstet, das Land verließ.
Nach Dr. Falke, Zippert, Dr. Spieß.
45. Das Obererzgebirge im Siebenjährigen Kriege.
1. Beginn des Krieges 1756.
Zehn Jahre des tiefsten Friedens waren seit dem zweiten Schlesischen Kriege vergangen. Da brach plötzlich der König von Preußen 1756 auf drei Punkten in Sachsen ein. Österreich und Rußland hatten ein Schutz- und Trutzbündnis gegen Preußen geschlossen und sich alle Mühe gegeben, den König von Polen und König von Sachsen mit in dies Bündnis zu ziehen. August weigerte sich, demselben beizutreten. Friedrich legte die Unterhandlungen, die ihm durch den bestochenen Vaterlandsverräter Menzel bekannt geworden waren, für eine Verschwörung zu seinem Untergange aus und begann sofort den Krieg.
Torgau wurde auf Befehl des preußischen Königs befestigt und daselbst eine preußische Behörde eingesetzt, an welche alle Einkünfte aus den besetzten sächsischen Landesteilen abgeliefert werden mußten.