Höchst einfach, nach unseren Begriffen mehr als ärmlich, sah es in diesen Hütten aus. Von Dielen erblickte man keine Spur, nur in der Mitte erhob sich ein Tisch von ungehobelten Brettern auf vier in die Erde eingeschlagenen Pfählen, umgeben von einigen gleichartigen Bänken und Holzschemeln.

In einer Ecke stand der Ofen, wenn man eine Vertiefung im steinigen Boden, von einigen Mauersteinen umgeben, so nennen will, in welchem fast beständig ein helles Feuer brannte, bei dem die einfachen Gerichte gekocht oder gebraten wurden. Einige rußige Töpfe und unförmliche Tiegel, sowie hölzerne Teller und Löffel waren das einzige Haus- und Küchengeräte. Schlösser an den Thüren wären unnötig gewesen; denn wer sollte aus jenen Lehmhütten in finsterer Nacht etwas Erhebliches stehlen? – Unter dem Dache standen die Betten, unter welchen man sich kunstlose Lagerstätten von Waldmoos, Heu oder Stroh auf rohen Dielen zu denken hat. Eine Esse hielt man ebenfalls für überflüssig, denn der Rauch fand durch die verschiedenen Ritze in der Thür und in den Wänden einen ganz gemütlichen Ausweg. Die Stelle der Fenster ersetzten einige viereckige Löcher in der Wand, durch die der goldene Sonnenstrahl die inneren Herrlichkeiten erleuchtete und welche bei stürmischem Schnee- und Regenwetter mit einem Brette verschlossen wurden.

Nach Müller.

c.
Das Harzen in früherer Zeit.

Lehmann berichtet: »Es heißt insgemein der ganze böhmische gegen Meißen zu an der Zschopau und an dem Schwarzwasser bis über den Wiesenthalischen Fichtelberg Harz- oder Schwarzwald, davon jährlich 1000 Zentner Pech abgeharzt wurden.« Besonders die Crottendorfer harzten viel und zogen handelnd in die Fremde und blieben oft Jahre aus. Das Harzen erpachteten die Schwarzenberger im 16. Jahrhundert von den Tettaus. 1648 wurde das Zinspech in Geld verwandelt. Die Pechgewerken hatten 80 fl Zins abzustatten. Vor alters mußte der fünfzehnte Zentner Zinspech ins kurfürstliche Amt geliefert werden. 1666 waren die Hölzer so verhauen und verkohlt, daß man kaum zwei Zentner Pech herstellen konnte.

Die Rinden der Bäume wurden mit dem Harzeisen der Länge nach aufgerissen. Im folgenden Jahre wurde das ausgetriebene Harz abgeschabt. In der Pechhütte ward es in Kesseln gesotten und dann in Formen gegossen.

50. Der ehemalige Zinnbergbau.

Gegenwärtig beobachtet man noch an manchen Orten unseres Obererzgebirges Raithalden, das sind Anhäufungen tauben Trümmergesteins, das nach dem Zinnseifen oder Auswaschen des Zinnerzes übrig geblieben ist. Diese Halden sind durchwühlt worden. Durch Zuführung von Wasser wurde aus ihnen nicht nur das Zinnerz, sondern auch die Feinerde ausgeschieden. Nach Mathesius in Joachimsthal führte der Zinnwäscher Wasser in zinnhaltige Gebiete und stach eine torfähnliche Masse. Grobe Stoffe und Steine warf man mit der Gabel heraus. Der gute Stein setzte sich dann zu Boden. Man reiniget ihn, um dann das Zinn zu gewinnen. Diese Seifen befanden sich besonders in flachen Thalmulden. Außer Zinnstein fand man auch Topas, Opal, Beryll, letzten besonders im Denitzgrunde bei Eibenstock. Auch Goldkörner fand man, so 1733 am Auersberge eins von 13 Aß Gewicht, das in demselben Jahre dem Kurfürsten bei der Huldigung in Freiberg überreicht wurde.

Sehr zahlreich waren die Seifenwerke im Gebiete von Schneeberg und Eibenstock. Zahlreich waren auch im 17. und 18. Jahrhundert die Seifen in der Umgegend des Dorfes Bockau. Da hat man in jedem Thälchen nach Zinnerzen gesucht. Das geschah im ganzen Gebirge bis nach Johanngeorgenstadt hinauf.

Besonders bemerkenswert sind die Seifen bei Geyer und Umgebung, die zu den ältesten gehören. Der jetzt durch seine Spielwaren weit bekannte Ort Seiffen verdankt seine Entstehung auch dem Zinnbergbau.