Abb. 11.
Gefärbtes Ausstrichpräparat von menschlichem Blut. E = rote Blutkörperchen. L = weiße Blutkörperchen.
Der Körper antwortet darauf mit einer »Entzündung«, die je nach Art und Menge der eingedrungenen Keime verschieden hochgradig und von verschiedener Ausdehnung sein kann: Die Blutgefäßchen in der Nachbarschaft der Invasionsstelle erweitern sich und füllen sich prall mit Blut, so daß die Umgebung der kleinen Hautwunde lebhaft gerötet erscheint; aus den Blutgefäßen treten teils flüssige Bestandteile des Blutes, teils bestimmte Blutzellen, die sogenannten weißen Blutkörperchen (vgl. [Abb. 11]) in die Gewebe aus; es kommt dadurch zu Schwellung, Spannungsgefühl, oft zu Schmerzen, die unter Umständen sehr heftig werden.[6]
Abb. 12.
Abstrich von Eiter, der Streptokokken enthält. Die Kokken sind sämtlich im Inneren von weißen Blutkörperchen gelegen.
Die weißen Blutkörperchen entwickeln nun bei entzündlichen Prozessen eine merkwürdige und oft sehr lebhafte Tätigkeit; durch kleine Lücken, die in der Wand der erweiterten Blutgefäße entstehen, zwängen sie sich hindurch, wandern aus, und in vielen Fällen kann man beobachten, wie sie die eingedrungenen Krankheitskeime in sich aufnehmen. Sehr kleine Bakterien, z. B. Mikrokokken, vermögen die Leukocyten in größerer Zahl »aufzufressen« (vgl. [Abb. 12]), größere Bakterien oder Verbände von Bakterienzellen umklammern sie nur, wobei sich oft mehrere Leukocyten vereinigen ([Abb. 13]). Diesen Vorgang, dessen Bedeutung für die Heilung von Infektionskrankheiten Metschnikoff zuerst erkannt hat, bezeichnet man als Phagocytose (Freßtätigkeit von Zellen). Die weißen Blutkörperchen verfügen nun weiterhin über verdauende Fähigkeiten und sind imstande, manche krankheiterregenden Keime nicht nur aufzufressen, sondern auch in ihrem Inneren zu zerstören. Doch erstreckt sich dieses Vermögen nicht auf alle Arten der pathogenen Mikroorganismen, es gibt vielmehr eine ganze Anzahl darunter, denen die Leukocyten nichts anhaben können. Auch sind die pathogenen Bakterien durchaus nicht wehrlos gegenüber den Leukocyten; manche werden zwar von diesen aufgenommen, man sieht aber bald danach, daß die weißen Blutkörperchen ihrerseits dabei Schaden gelitten haben und zugrunde gehen, während die Keime wieder frei werden. Diese Erscheinung beruht auf dem Gehalt solcher Keime an Stoffen, die auf die Leukocyten giftig wirken. Man kann hier also wirklich mit gutem Recht von einem Kampf zwischen den Abwehrzellen und den Eindringlingen sprechen, einem Kampf, dessen Ausgänge sehr verschieden sind.
Abb. 13.
Aufnahme von Milzbrandbazillenfäden durch weiße Blutkörperchen.
Kommt es zu sehr massenhafter Auswanderung weißer Blutkörperchen, so entsteht das Bild der Eiterung. Die weißliche und gelbliche Flüssigkeit, die wir als Eiter bezeichnen, besteht zum allergrößten Teile aus diesen kleinen, eigenbeweglichen weißen Blutzellen.