Abb. 25.
Typhusbazillen; Abstrich von einer Reinkultur.

Da die erste und wesentlichste Ansiedelung der Typhusbazillen im Darm erfolgt, ist es wahrscheinlich, daß sie immer vom Mund aus in den Körper eindringen. Vereinzelte Typhusfälle, die hier oder da auftreten, beispielsweise Erkrankung des Pflegepersonals in großen Krankenhäusern, sind ohne Zweifel darauf zurückzuführen, daß Typhusbazillen aus den Ausscheidungen eines Kranken auf irgendeinem Wege mit den Nahrungsmitteln oder mit der Hand in den Mund des Gesunden gelangt sind. Nicht nur die Darmentleerungen, sondern in sehr vielen Fällen auch der Harn der Kranken enthält enorme Mengen der infektiösen Keime, und es ist nur zu erklärlich, daß, namentlich in der Umgebung benommener Kranker, tausend Möglichkeiten der Kontakt-Infektion gegeben sind.

Neuerdings ist z. B. von Geheimrat Curschmann, einem der erfahrensten Typhuskenner, besonders auf die Rolle der Fliegen bei der Verschleppung von Keimen hingewiesen worden; daß diese Tiere mit kleinsten Partikelchen der Entleerungen eines Kranken Keime verschleppen können, ist von vornherein einleuchtend; man hat es aber auch unmittelbar nachweisen können, indem man Fliegen aus dem Krankenzimmer eines Typhösen über eine Nähragarfläche kriechen ließ und nach einiger Zeit neben anderen Kolonien auch solche des Typhuserregers aufgehen sah.

Die wichtigste Maßnahme, die zur Eindämmung der Typhuserkrankungen führen kann, ist deshalb wiederum die absolute oder doch tunlichste Isolierung des erkrankten Menschen. Schwerkranke sollten immer in Krankenhäusern untergebracht werden, die über besondere Isolierstationen verfügen. Von den ganz leichten Fällen ist dies selbstverständlich nicht zu verlangen. Unbedingte Erfordernis ist aber, daß sämtliche typhusbazillenhaltigen Ausscheidungen sofort in besonderen Gefäßen desinfiziert werden. Die neuere Zeit hat uns nun gelehrt, daß diese Aufgabe erheblich größer und damit schwieriger ist, als man früher wohl annahm, insofern, als sowohl die Rekonvaleszenten von schweren Typhusfällen als auch die schon erwähnten ganz leicht Erkrankten oft viele Monate hindurch die gefährlichen Keime beherbergen und ausscheiden. Bei gutem Willen kann nun zwar ein einigermaßen intelligenter Mensch für die Vernichtung dieser ausgeschiedenen Bazillen hinreichend sorgen, die erste Voraussetzung hierfür ist aber die Erkenntnis seiner Krankheit resp. seiner Gefährlichkeit. Um diese bemühen sich besonders die Medizinalbeamten und Ärzte und an vielen hervorragend gefährdeten Stellen besondere zur Typhusbekämpfung begründete Institute.

Hin und wieder kommt es zu explosionsartig auftretenden Typhusepidemien hier oder da. In solchen Fällen hat sich in der Regel nachweisen lassen, daß irgendwo durch typhöse Ausscheidungen Verunreinigungen einer Trinkwasserquelle erfolgt waren, die dann direkt oder nicht selten auch auf einem Umwege zu einer sehr erheblichen Verbreitung der Krankheit beigetragen haben. Mehrfach hat sich gezeigt, daß die gemeinschaftliche Ansteckungsquelle für eine große Zahl von Typhusfällen in der Milch zu suchen war; die Typhusbazillen stammten dann wiederum aus infiziertem Wasser, das entweder zur Reinigung der Gefäße oder aber in betrügerischer Absicht zur Verdünnung der Milch verwendet worden war. Die Anstrengungen der Medizinalbehörden sind deshalb in neuerer Zeit auch besonders auf die Bekämpfung des Typhus in den Dörfern gerichtet, in denen bisher die Wasserversorgung vielfach noch nicht mit der gleichen Schärfe überwacht werden kann als in den Städten.


Einige Ähnlichkeit mit dem Unterleibstyphus haben manche Fälle von Vergiftungen durch Nahrungsmittel, die mit bestimmten, dem Typhusbazillus nahestehenden Bakterien infiziert waren. Es mag deshalb hier eine kurze Erörterung dieser und ähnlicher Erkrankungen und ihrer Entstehung angeschlossen werden.

Nach dem Genuß verdorbener, d. h. in Fäulnis übergegangener Nahrungsmittel treten oft sehr erhebliche Krankheitserscheinungen, in erster Linie heftige Verdauungsstörungen, auf. Die Ursache dieser Erkrankungen liegt in der Giftigkeit mancher der bei der Fäulnis entstehenden Abbau- oder Zersetzungsprodukte der organischen Substanzen, vor allem der Eiweißabbauprodukte. Da die Zersetzung auf der Lebenstätigkeit von Bakterien beruht, so kann man in gewissem Sinne auch diese Erkrankungen den Spaltpilzen auf die Rechnung setzen. Es ist aber einleuchtend, daß es sich dabei um etwas ganz anderes handelt als um eine Infektionskrankheit. – Man vermeidet diese Schädlichkeit in der Regel leicht dadurch, daß man sich vor dem Genuß aller verdorbenen Nahrungsmittel, die durch Aussehen, Geruch und Geschmack ja meist leicht erkennbar sind, hütet.

Man hat aber anderseits nach dem Genuß von Nahrungsmitteln, die im gewöhnlichen Sinne durchaus nicht verdorben waren, mehr oder weniger heftige Erkrankungen auftreten sehen, die zuweilen geradezu epidemieartig erschienen, indem sie gleichzeitig eine große Anzahl von Personen befielen, die von irgendeiner Speise genossen hatten. Dabei handelte es sich teils um Fleischkonserven, Wurst, teils auch um Gemüsekonserven, aber auch um andere Speisen verschiedener Art. In solchen Fällen ist es bereits mehrfach gelungen, die Ursache der Erkrankung in bestimmten Bakterienarten nachzuweisen, die sowohl in dem betreffenden Nahrungsmittel als auch in den Darmentleerungen der Erkrankten nachgewiesen werden konnten. Bei einzelnen solcher Erkrankungen gelang es, die gleichen Bakterien auch im Blute der Patienten zu finden. In diesen Fällen haben wir es also mit einem echten infektiösen Prozeß zu tun.