Die brahmanische Epoche, welche als Typus und Glanzzeit der indischen Medizin ausschließliches Interesse verdient, da die weitere Entwicklung unter arabischem Einfluß teils wenig Neues bringt, teils des nationalen Gepräges entbehrt, charakterisiert sich durch einen vom Priestertum losgetrennten hochangesehenen Aerztestand, durch eine reiche wissenschaftliche Literatur, durch hochentwickelte medizinische Unterrichtsweise und Deontologie.

Die Aehnlichkeit der indischen und hellenischen Heilkunde während dieses Stadiums ist in den allgemeinen Grundanschauungen und gewissen Einzelheiten so auffallend, daß es nicht wundernimmt, wenn von mancher Seite die Originalität der ersteren bezweifelt oder gar in Abrede gestellt wurde, umsomehr, als die Datierung der maßgebenden indischen Werke mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist und vor den neuesten Handschriftfunden gänzlich haltlos hin- und herschwankte. Im Hinblick auf die hervorragenden selbständigen indischen Leistungen in den meisten Wissens- und Kunstzweigen, die Abneigung gegen fremdartige Einflüsse und unter Berücksichtigung der neueren Forschungsergebnisse, herrscht heute die Ansicht, daß die indische Medizin im wesentlichen Originalität besitzt — autochthon ist namentlich die Anatomie, Materia medica, Diätetik, Hygiene — und wenn sie vorübergehend theoretisches und praktisches Gut von den Griechen aufnahm, dieses doch in ganz eigenartiger Weise verarbeitete und assimilierte. Aehnliches war, wie sicher erwiesen, auch der Fall z. B. auf dem Gebiete der Astronomie oder in der Novellendichtung (möglicherweise vielleicht auch in der dramatischen Dichtung), und wie dort stießen die griechischen Einwirkungen auf eine jahrtausendalte, in der Hauptsache festgestaltete, in sich abgeschlossene Kulturwelt, so daß das Wesen des Ganzen kaum mehr tiefgehend umzumodeln war. Die griechische Beeinflussung erfolgte hauptsächlich nach dem Zuge Alexanders des Großen, als in Indien zunächst eine bald wieder verschwindende mazedonische Satrapie bestand, sodann als lebhafte Beziehungen mit dem mächtigen, damals Medien und Persien einschließenden Seleukidenreiche gepflegt wurden, und die Herrscher des griechisch-baktrischen Reiches von weiten Landstrecken Nordindiens Besitz ergriffen, insbesondere aber in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, als griechische Schulen in Syrien und Persien entstanden. Der Buddhismus, welcher seinem Prinzip nach, die Schranken der Nationalität durchbrach, arbeitete den fremden Einflüssen kaum entgegen.

Die Medizin lag nur so lange in der Hand der Brahmanen, als die Empirie, namentlich die Chirurgie hinter der Theurgie zurückstand. Nunmehr gehörten die wissenschaftlich gebildeten Aerzte der hochstehenden Mischkaste der Ambaṣtha (Vaidya) an, welche väterlicherseits ihre Herkunft von den Brahmanen herleiteten; neben ihnen wirkte eine untergeordnete Gattung von Empirikern, Heilgehilfen, die in der weniger angesehenen Kaste der Vaisya vereinigt waren.

Es ist nämlich zu beachten, daß nur die zwei ersten Kasten, Brahmanen und Krieger, wirkliche Stände bildeten. Die dritte Kaste (Vâiçya) umfaßte im Gegensatz zu den nichtarischen Çûdra das ganze arisch-indische Volk (soweit es nicht Priester oder Richter waren), d. h. die Ackerbauer, Viehzüchter, Hirten u. s. w. In dem Maße, als sich (durch das verpönte Connubium) die ursprünglichen Kasten untereinander vermengten, tauchten eine ganze Menge von neuen Mischkasten auf, die sich dem Range nach abstuften und denen eine bestimmte Lebensweise und ein bestimmter Beruf vorgeschrieben waren. Die Rangstellung dieser „unreinen“ Mischkasten richtete sich nach der Kaste, welcher der Vater angehörte; daher stand z. B. ein Ambaştha, d. h. der Sohn eines Brahmanen von einem Vâiçyamädchen, relativ hoch. — Natürlich hatten auch die höheren Mitglieder höherer Klassen Zutritt zum ärztlichen Stand, während die Çûdra ausgeschlossen blieben, bis der Buddhismus auch da seine nivellierenden Einflüsse äußerte.

Spuren von der priesterlichen Herkunft des Aerztestandes (welche bei den Indern anfangs sogar mit der natürlichen Abstammung seiner Vertreter von den Brahmanen zusammenfiel) zeigen sich in der ganzen Unterrichtsweise und Standesethik. Erstere war der Erziehung des Brahmanenschülers geradezu nachgeahmt. Bei der ärztlichen Berufswahl bildeten gute Abkunft (am besten aus einer ärztlichen Familie), manuelle Befähigung und gewisse körperliche, wie sittliche und intellektuelle Eigenschaften die Voraussetzung; die Lebensweise und Studienordnung des Schülers unterlagen genauen Bestimmungen; Ehrfurcht gegen die Brahmanen, die Lehrer und Vorgänger wurde beständig eingeflößt. Die Aufnahme des Jüngers erfolgte im Winter, bei zunehmendem Monde, an einem glückverheißenden Tage in Gegenwart von Brahmanen, und der Unterricht leitete sich durch eine feierliche Einweihungszeremonie ein, an deren Schlusse der Adept das Gelöbnis ablegen mußte, daß er alle Vorschriften der Standesordnung und die religiösen Pflichten getreu beobachten werde. Ein Lehrer durfte nur 4-6 Schüler gleichzeitig unterweisen. Der Unterricht, welcher 6 Jahre währte, basierte auf einem erprobten und anerkannten Lehrbuche, und bestand einerseits aus dem Auswendiglernen der vom Lehrer erklärten Lehrsätze, anderseits in der praktischen Ausbildung (Krankenbesuch und besonders chirurgischen Uebungen). „Wer nur theoretisch gebildet ist, aber unerfahren in der Praxis, weiß nicht, was er tun soll, wenn er einen Patienten bekommt, und benimmt sich so töricht, wie ein Jüngling auf dem Schlachtfelde. Anderseits wird ein Arzt, der nur praktisch, nicht aber theoretisch ausgebildet ist, nicht die Achtung der besseren Männer erringen.“ Medizin und Chirurgie mußte in gleichem Maße beherrscht werden, denn „der Arzt, dem die Kenntnis des einen dieser Zweige abgeht, gleicht einem Vogel mit nur einem Flügel“. Nach Vollendung der Studien war die Erlaubnis des Königs zur Ausübung der ärztlichen Praxis zu erwirken. Stets von wissenschaftlichem Eifer erfüllt, wurde dem Arzte nahegelegt, seine Kenntnisse im Verkehr mit Fachgenossen zu erweitern und hierbei Bescheidenheit an den Tag zu legen. Bis in alle Details war das äußere Auftreten, das Verhalten gegenüber dem Patienten und den Angehörigen, die Honorarfrage geregelt; Jäger, Vogelsteller, aus der Kaste Verstoßene, Verbrecher — aber auch Unheilbare sollten nicht in Behandlung genommen werden. Mehr von ärztlicher Politik als von Ethik eingegeben, war der Rat, Leuten, welche beim König oder beim Volk mißliebig sind, keine Arznei zu verordnen. Welchen Eindruck die indischen Aerzte im Volksbewußtsein hinterließen, beweist der Spruch: „Ist man krank, so ist der Arzt ein Vater; ist man genesen, so ist er ein Freund; ist die Gesundheit wiederhergestellt, so ist er ein Hüter.“ Unrichtiges Verfahren wurde nach den Gesetzen bestraft, gute Aerzte durften nach dem Tode den Himmel Indras zum Lohne erwarten! Das Zentrum der medizinischen Wissenschaft lag in dem hochheiligen Benares am Ganges, der uralten Stadt (der glänzenden „Kasi“), wo auch der Sitz brahmanischer Gelehrsamkeit war.

Ueber die Beschaffenheit des zur Medizin tauglichen Schülers und des richtigen Lehrers waren unter anderem folgende Ansichten verbreitet: „Der Schüler muß eine feine Zunge, schmale Lippen, regelmäßige Zähne, ein edles Antlitz, wohlgeformte Nase und Augen, ein heiteres Gemüt und feinen Anstand haben und fähig sein, Mühen und Schmerzen zu ertragen.“ „Der Lehrer soll das heilige Buch Schritt für Schritt, Vers für Vers vorlesen, er soll deutlich, aber ohne Anstrengung reden, ohne zu stocken, weder zu schnell, noch zu langsam, ohne zu näseln und ohne ein Zeichen der Ungeduld zu verraten“ u. s. w. — Am Schlusse der Aufnahmszeremonie wurde der Adept ermahnt, keusch und enthaltsam zu sein, einen Bart zu tragen, die Wahrheit zu reden, kein Fleisch zu essen, dem Lehrer in allen Dingen Gehorsam zu leisten, als Arzt die Brahmanen, die Lehrer, die Armen, die Freunde und Nachbarn, die Frommen, die Waisen unentgeltlich zu behandeln u. s. w. „Gegen die Götter, das Feuer, die Brahmanen, den Guru (Lehrer), die Alten und die seligen Lehrer mußt du alle Pflichten beobachten. Tust du es, so mögen dir dieses Feuer, alle Säfte, alle Düfte, Schätze und Körner und die genannten Götter alle günstig sein! Wo nicht — so seien sie dir ungünstig!“ Auf diese Worte des Lehrers spricht der Schüler: „So geschehe es.“ An bestimmten Tagen, in der Dämmerung, bei Donner und Blitz, zur Zeit der Krankheit des Königs, bei großen Festen, Naturereignissen etc. durfte nicht studiert werden, damit das Studium nicht mit halber Aufmerksamkeit betrieben werde. Nicht nur mit dem Ohr, sondern mit dem Verstande ist dem Unterricht zu folgen, sonst „gleicht der Schüler dem Esel, der eine Ladung Sandelholz trägt, und nur deren Gewicht, nicht aber deren Wert kennt“. Die Einübung von chirurgischen Operationen geschah in der Weise, daß man dem Schüler die Schnitte an Früchten, Punktionen an gefüllten Schläuchen, Harnblasen (von Tieren) oder Taschen zeigte, das Skarifizieren an gestreckten, noch behaarten Tierfellen, den Aderlaß an den Blutgefäßen toter Tiere oder an Lotusstengeln, das Sondieren an wurmstichigem Holz, röhrenförmigen Gegenständen, das Herausziehen an den Zähnen toter Tiere, das Oeffnen von Abszessen an einem Wachsklumpen, welcher auf Holz aufgestrichen war, das Nähen an dicken Kleidern, das Anlegen von Verbänden an Figuren, das Aetzen und Brennen an Fleischteilen u. s. w. lehrte. Unter den Vorschriften, die dem Arzt beim Eintritt in die Praxis gegeben werden, heißt es: „Laß dir die Haare und die Nägel kurz schneiden, halte deinen Körper rein, trage weiße Kleider, ziehe Schuhe an und nimm einen Stock oder Schirm in die Hand. Dein Aeußeres sei demütig und dein Gemüt rein und ohne Arglist.“ Wenn der Arzt die Wohnung des Kranken betritt, soll er wohl gekleidet, gesenkten Hauptes, nachdenklich, in fester Haltung und mit Beobachtung aller möglichen Rücksichten auftreten. Ist er drinnen, so darf Wort, Gedanke und Sinn auf nichts anderes gerichtet sein, als auf die Behandlung des Patienten. Die Vorgänge im Hause dürfen nicht ausgeplaudert, auch darf von dem bevorstehenden Ende nichts mitgeteilt werden, wo es dem Kranken oder sonst jemand Nachteil bringen kann. Besonders wird auch von jeder Vertraulichkeit mit Frauen abgeraten und gewarnt, mit ihnen zu klatschen oder zu scherzen und Geschenke außer etwa Speisen anzunehmen. — Das Honorar des Arztes richtete sich nach den Verhältnissen des Patienten und war unter Umständen sehr hoch. Als höchstes Ziel für den Arzt erschien es, Hofarzt zu werden. Im Kriege wurden die Truppen von Aerzten begleitet.

Die berühmtesten Vertreter der medizinischen Literatur Indiens sind Caraka, Suśruta und Vāgbhaṭa — die „alte Trias“. Das vielumstrittene Problem der chronologischen Fixierung dieser Aerzte oder der unter ihrem Namen überlieferten Schriften hat erst in der neuesten Forschung einige sichere Anhaltspunkte gefunden. Darnach fällt die Lebenszeit des Caraka wahrscheinlich in den Beginn der christlichen Zeitrechnung; Suśruta wurde jedenfalls schon im 5. Jahrhundert n. Chr. als Autor einer weit zurückliegenden Vergangenheit betrachtet, und was Vāgbhaṭa anlangt, so ist sein echtes Werk, in welchem Caraka und Suśruta zitiert werden, kaum nach dem 7. Jahrhundert n. Chr. entstanden.

Da von Chronologie bei den Indern keine Rede ist, und der Ursprung der medizinischen Literatur ganz ins Gewand der Sage gehüllt wird, so schwankten die Historiker bis vor kurzem ganz außerordentlich hinsichtlich der Entstehungszeit der Monumentalwerke indischer Heilwissenschaft. Ein Teil verlegte sie sehr weit zurück in die vorchristliche Epoche, andere, welche in der indischen Medizin nichts anderes als eine schattenhafte Reproduktion der griechischen erblicken wollten, gaben das 10. bis 15. Jahrhundert n. Chr. als Abfassungszeit an. Konnte letztere Ansicht schon durch ein arabisches Werk aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts n. Chr. sowie durch eine Inschrift aus dieser Zeit, worin rühmend des Suśruta gedacht ist, zurückgewiesen werden, so fiel ganz unerwartet neues Licht auf die Frage, als eine 1890 von Leutnant Bower von zwei einheimischen Kaufleuten erworbene Handschrift entziffert und übersetzt worden war. Die Bowerhandschrift, welche ein auf Birkenrinde geschriebenes, ziemlich gut erhaltenes Manuskript von 54 Seiten darstellt, lag unter einem buddhistischen Denkmal in Kaschgarien (China) verborgen; der in altertümlichem Sanskrit und in Versen abgefaßte Text enthält außer einer Sprichwörtersammlung einen Panegyrikus auf den Knoblauch (gegen alle möglichen Leiden), Angaben über Verdauung, über richtige Mischung der Arzneistoffe, Kinderpflege, Sterilität, Behandlungen der Schwangeren und Wöchnerinnen, süßen Harn, an dem die Hunde lecken (Diabetes), ferner zahlreiche Heilformeln zu äußerlichem und innerlichem Gebrauch, einen Schlangenzauber gegen den Biß der Kobra etc. Die eminente Bedeutung der Bowerhandschrift, die, nach den paläographischen Kriterien zu urteilen, um 450 n. Chr. geschrieben ist, liegt zunächst darin, daß sie den Bestand einer systematischen medizinischen Wissenschaft der Inder mit all den charakteristischen Eigentümlichkeiten, wie dieselben bei Caraka und Suśruta auftreten, zum mindesten schon für das 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. sicher nachweist, nebstdem aber erwähnt sie noch in der Einleitung unter anderen alten Aerzten ausdrücklich den Suśruta und stimmt sogar an mehreren Stellen mit ihm sowie mit Caraka wörtlich überein. Für die Lebenszeit des Caraka hat sich weiterhin ein Anhaltspunkt dadurch ergeben, daß eine ungefähr um 405 n. Chr. verfaßte chinesische Uebersetzung (einer Sanskriterzählung) von Caraka als von einer ganz bekannten Persönlichkeit spricht und ihn zum Zeitgenossen des Königs Kaniska macht, welcher im Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr. regierte. — Auch andere, neuerdings bearbeitete zentralasiatische Handschriften, welche zum Teil noch älter sind als das Bowermanuskript, z. B. die um 350 n. Chr. geschriebene Macartneyhandschrift, bekräftigen die obigen Angaben.

In welchem Ausmaße die heute vorhandenen Ausgaben nur späte Redaktionen der ursprünglichen Originalwerke darstellen und aus älteren und jüngeren Teilen zusammengesetzt sind, kann die Zukunft möglicherweise klären — bezeichnend für das Alter und die Macht der medizinischen Tradition bleibt es jedenfalls, daß Caraka und Susruta sich lediglich als jüngere Bearbeiter des uralten, in letzter Linie von Brahman inspirierten „Ayurveda“ (Wissenschaft des Lebens) betrachtet wissen wollen, welcher aus 1000 Abschnitten, ein jeder zu 100 Stangen bestanden haben soll. Mit dieser mythischen Einkleidung, der sicher ein historischer Kern entspricht, harmoniert die Fülle der Kenntnisse — das Produkt vieler Generationen — und die auffällige inhaltliche und formelle Uebereinstimmung beider Autoren. Gemeinsam ist ihnen nicht nur das Lehrsystem und die Terminologie, sondern auch der Wechsel von Prosa und gebundener Rede; nur kennzeichnet sich Caraka durch größere Ausführlichkeit der Darstellung, Suśruta durch eine mehr trockene Behandlung des Stoffes und viel eingehendere Berücksichtigung der Chirurgie.

Aus den Werken Carakas und Suśrutas wurden wiederholt einzelne Kapitel oder sehr bedeutende Abschnitte ins Englische übertragen. Von Suśruta existiert auch eine vollständige, aber nach dem Urteil der Fachmänner höchst mangelhafte lateinische Uebersetzung (Susrutas Ayurvedas. Nunc primum ex Sanskrita in Latinum sermonem vertit, Dr. Franciscus Hessler, Erlangen 1844-1850, 3 Bände. — Kommentar in 2 Heften, Erlangen 1852 u. 1855). — Das Werk des Caraka besteht aus acht Hauptteilen (sthāna): 1. sūtrasthāna über Pharmakologie. Nahrungsmittel, Diätetik, gewisse Krankheiten, Kurmethoden, Aerzte und Pfuscher, über Physiologie, Psychologie u. a. 2. nidānasth. über acht Hauptkrankheiten. 3. vimānasth. über Geschmack, Ernährung, allgemeine Pathologie, ärztliches Studium. 4. sarīrasth. über Anatomie und Embryologie. 5. indriyasth. über Diagnostik und Prognostik. 6. cikitsāsth. über spezielle Therapie. 7. kalpasth. und 8. siddhisth. über allgemeine Therapie. — Das Werk des Susruta zerfällt in folgende Hauptabschnitte: 1. sūtrasthāna, Ursprung der Heilkunde, Propädeutik, Instrumentenlehre, Chirurgie, Arzneimittellehre, Diätetik etc. 2. nidānasth. Pathologie. 3. sarīrasth. Anatomie, Embryologie. 4. cikitsāsth. Therapie. 5. kalpasth. Toxikologie. 6. uttarasth. (Schlußabhandlung) spezielle Pathologie und Therapie, Hygiene. — Die Schriften des Vagbhāta folgen in ihrer Einteilung vollkommen dem Susruta. — Die drei Autoren, ebenso wie spätere, nahmen einen göttlichen Ursprung der Medizin an und bezeichnen als Grundquelle den Ayurveda (der einen upaveda = Nebenveda bildet); dieser enthielt ursprünglich acht Teile: große Chirurgie, kleine Chirurgie, Behandlung der Krankheiten, Dämonologie, Kinderheilkunde, Toxikologie, Elixiere, Aphrodisiaka. „Brahman, nachdem er das bedeutungsvolle ewige Ambrosia des Ayurveda erkannt hatte, übergab es dem Daksa, dieser den beiden Asvins, und diese dem Satakratu (Indra).“ In der weiteren Darstellung der Ueberlieferung des Ayurveda an die Menschen weichen die Autoren voneinander ab. Während nach Susruta Indra den Ayurveda an den Wundarzt der Götter Dhanvantari (d. h. Kenner der Chirurgie), verkörpert als König Divodāsa von Benares (Kāsirāja), übergibt, der dann Susruta nebst sechs Genossen darin unterrichtet, mit Voranstellung der Chirurgie, ist nach Caraka Bharadvāja der erste Sterbliche, dem Indra den Ayurveda offenbart. Von den Weisen, die ihn umgeben, teilt einer, nämlich Atreya, die von Bharadvāja empfangene Lehre sechs Schülern, Agnivesa, Bhela, Jatukarna, Parāsàra, Hārīta, Ksārapāni, mit. Jeder derselben verfaßte ein Lehrbuch; dasjenige, welches von Agnivesa herrührte, wurde von Caraka, wie er selbst wiederholt versichert, revidiert und bearbeitet. Nahe verwandt mit Caraka, vielleicht nur eine andere Rezension der Vorlage des Caraka, ist die noch ungedruckte Bhelasamhitā; über das Alter des unter dem Namen des Hārīta gehenden Werkes ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen.