[33] „Mit der sogenannten heiligen Krankheit (= Epilepsie) verhält es sich folgendermaßen.“ Sie scheint mir in keiner Beziehung einen mehr göttlichen Ursprung zu haben als die übrigen Krankheiten. ... Die Menschen aber haben infolge ihrer Unerfahrenheit und Verwunderung geglaubt, ihre Beschaffenheit wie ihre Veranlassung seien etwas Göttliches, weil sie in keinem Punkte den anderen Krankheiten gleicht. ... Wenn sie aber wegen des Wunderbaren für etwas Göttliches gehalten werden sollte, so wird es viele heilige Krankheiten geben und nicht eine einzige. ... Ich für meine Person jedoch halte nicht dafür, daß der Körper des Menschen durch einen Gott besudelt wird.
[34] Besonders in der Schrift de flatibus, wo das Pneuma als primäre Ursache aller Krankheiten erklärt wird. Als entferntere Krankheitsursache gilt es auch in Kap. X des Buches de nat. homin., wo es heißt: „Die Krankheiten entstehen teils durch die Lebensgewohnheiten, teils durch das Pneuma.“
[35] De diaeta z. B. anerkennt zwei Elemente, Feuer (warm — trocken) und Wasser (kalt — feucht); de nat. hom. dagegen die vier Empedokleischen Qualitäten.
[36] De prisca medicina, Kap. XIV: „Denn es steckt tatsächlich im Menschen das Bittere, das Salzige, das Süße, das Sauere, das Herbe, das Fade und noch vieles andere, mannigfaltig in Wirkung, Menge und Stärke. Dies alles nun tritt miteinander vermischt und vermengt nicht zu Tage, verursacht auch dem Menschen keinerlei Beschwerden, wird hingegen eines von ihnen abgesondert und selbständig, dann tritt es zu Tage und verursacht dem Menschen auch Beschwerden.“ Vergl. hierzu Alkmaion.
[37] Galle und Schleim z. B. de morb. sacro, in den meisten knidischen Schriften, z. B. de morbis I, de affectionibus, de affectionibus internis u. a. Galle, Wasser, Schleim und Blut z. B. de morbis IV. Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle de nat. homin.
[38] Sitz des Pneumas im Gehirn de morb. sacro, im Herzen de corde.
[39] Nach dem Anonymus Lond. (resp. Menons Iatrika) Kap. IX war Hippokrates Anhänger der pneumatischen Theorie, was vielleicht für den Beginn seiner Laufbahn gelten könnte; wie wenig sicher diese Angabe aber ist, erhellt schon daraus, daß Menon im darauffolgenden Kapitel anhebt: „Wie aber Hippokrates selbst sagt“ und sodann die humorale Lehre entwickelt.
[40] Weder die Anomalien der Säfte, noch diejenigen des Pneumas oder die Fehler der Ernährung bilden allein für sich den Schwerpunkt der hippokratischen Krankheitsauffassung; worauf Hippokrates das Hauptgewicht legt, das ist die Störung der harmonischen Einheit des Organismus, welche zur Norm wieder zurückgeführt werden muß.
[41] Im XXII. Kap. der Schrift de prisca medicina wird jedoch im einzelnen ausgeführt, wie sehr die Beschaffenheit der Organe an sich bestimmend auf die Krankheitsformen wirkt. Weiter geht noch die Einleitung von de locis in homine, wo gesagt wird: „Das von Natur Trockene scheint mir von Krankheiten befallen zu werden und mehr Schmerz zu empfinden, das Feuchte hingegen in geringerem Grade; denn die Krankheit, welche in dem Trockenen ihren Sitz hat, nistet sich dort fest und hört nicht wieder auf, diejenige hingegen, welche im Feuchten ihren Sitz hat, zerfließt gleichsam und sucht bald diesen bald jenen Körperteil in höchstem Grade heim.“ Hier, wo also auf die Festteile des Körpers besonderer Nachdruck gelegt wird, ist schon die spätere „Solidarpathologie“ vorgezeichnet!
[42] De loc. in hom: „Es scheint mir keinen Anfang im Körper zu geben, sondern alles in gleicher Weise Anfang und alles Ende zu sein. ... Desgleichen scheinen mir auch die Krankheiten in gleicher Weise von dem gesamten Körper auszugehen. ... Beim Körper aber rufen alle seine einzelnen Teile der eine bei dem anderen ... eine Erkrankung hervor, der Leib im Kopfe, der Kopf in den Fleischteilen und im Leibe und auch alles Uebrige im entsprechenden Verhältnis. ... Wollte einer den kleinsten Teil des Körpers nehmen und ihm Schaden zufügen, so würde der gesamte Körper das Leiden wahrnehmen und zwar aus dem Grunde, weil der kleinste Teil des Körpers alles enthält, was auch der größte Teil enthält. Dieser aber überträgt, welches Leiden ihm auch zustoßen mag, dasselbe in jedem einzelnen Falle immer auf die ihm verwandten Teile.“ Letzterer Satz beruht auf der Erkenntnis des physiologischen Wechselverhältnisses der Organe, der sogen. Sympathie. De alimento heißt es (Kap. XXIII): Ξύρῥοια μια, ξύμπνοια μια, ξυμπαθέα πάντα, Ein Zusammenströmen, eine Vereinigung, eine Sympathie. Die „Sympathie“ der Teile wird besonders berührt in den Büchern de fracturis, de articulis, Epid. III, sec. V. Aphorism. V, 50 (Uterus — Mammae).