[56] Daß die Gegensätze zwischen Naturwissenschaft und Religion schon Bedenken zu erregen begannen, leuchtet z. B. aus den Worten des Johannes von Salisbury hervor, der von den Aerzten seiner Zeit sagt: At physici dum naturae nimium auctoritatis attribunt, in auctorem naturae, adversando fidei, plerumque impingunt. Non enim omnes erroris arguo, licet plurimos audierim de anima, de virtutibus et operibus ejus, de augmento corporis et diminutione, de resurrectione ejusdem, de creatione rerum, aliter quam fides habeat, disputantes (Migne T. 199, p. 476).
[57] So wie einst Gerbert (vgl. S. 273) studierten manche die Heilkunde nur aus Wißbegierde, ohne sie auszuüben.
[58] In Frankreich hießen sie mires und mirgesses.
[59] Seit dem 11. Jahrhundert gelangten die Könige von England — zuerst Eduard der Bekenner —, bald auch die Könige von Frankreich — schon Philipp I. — in den Ruf, durch Berühren (mit der Königshand) besonders Kröpfe und Skrofeln („Königsübel”) heilen zu können, vgl. hierzu S. 19, Anm. 5 und S. 237, Anm. 5.
[60] Johann von Salisbury spielt auf die in salernitanischen Schriften mehrmals wiederkehrenden gewiß berechtigten Ratschläge bezüglich der Honorarforderungen an; gegenüber der wahrscheinlich nicht seltenen Knauserei mancher vermögenden Patienten war kluge Benützung der Umstände einigermaßen am Platze. Gilles de Corbeil kommt auf dieses alte und doch stets aktuell bleibende Thema mehrmals zu sprechen. Von ihm hören wir auch manches über das Auftreten, den Kleiderluxus und sonstigen äußeren Prunk der medizinischen Zelebritäten des 12. Jahrhunderts (Med. comp. Lib. II v. 102, 745).
[61] Vereinzelt werden auch Laienpraktiker in den Urkunden genannt, z. B. ein Arzt in Halberstadt in den Jahren 1180-1183, Rodgerus physicus (vgl. Andreae, Chronik d. Aerzte des Reg.-Bez. Magdeburg, Magdeb. 1862). Es dürften sich auch Aerzte aus dem Ausland (Italien) niedergelassen haben.
[62] Herzog Leopold V. von Oesterreich stürzte am Weihnachtstage des Jahres 1194 vom Pferde und erlitt eine komplizierte Fraktur des Unterschenkels. Die herbeigerufenen Aerzte behandelten ihn mit Pflastern und Arzneien, bis der Brand eintrat. Sie hatten nicht den Mut, die Amputation vorzunehmen, obwohl der Patient selbst die Operation wünschte. Infolgedessen ergriff der Herzog mutiger Weise eine Streitaxt, setzte sie an das Schienbein und befahl seinem Kammerdiener, mit einem Hammer darauf zu schlagen. Beim dritten Schlage wurde das Bein abgetrennt. Jetzt erst gingen die Aerzte wieder an die Arbeit, doch am nächsten Morgen trat der Tod ein (Rer. brit. med. aevi script. T. 82, Abt. 2, p. 432). — Als der Markgraf Dedo von Rochlitz und Groiz 1190 den Kaiser Heinrich VI. nach Apulien begleiten sollte, fürchtete er wegen seiner Fettleibigkeit das heiße Klima und die Reisebeschwerden. Ein Arzt, den er deshalb kommen ließ, schnitt ihm einfach den Leib auf, um das Fett zu entfernen — ein Verfahren, an dessen Folgen der Markgraf rasch zugrunde ging (Chron. mont. seren. ed. Ekstein im Progr. d. lat. Hauptschule zu Halle 1844, p. 53).
[63] Mon. Germ. Scr. VIII, 194 ... habebat autem inter eos (sc. medicos) Judaeum quendam Josuae nomine, physicae artis eruditissimum, compotistam peroptimum, Hebraicarum litterarum et totius judaismi scientia perfectissimum, quem circumdabat militaris habitus. Hunc majori prae eceteris familiaritate et dilectione idem Bruno sibi annectebat, satagens, ut quomodo ille ipsum carnaliter medicaretur, ita ipse illi salutem animae operatur ... consiliis ejus acquievit et ab ipso baptizatus est.
[64] Mon. Germ. Scr. XVI, 332.
[65] Eine Teilerscheinung der religiös-reformatorischen Bewegungen unter den Laien.