[97] Expositiones visionum. Soweit die Medizin in Betracht kommt, schließt er übrigens, was nicht zu verdammen ist, auf einen natürlichen Zusammenhang der Träume mit körperlichen Zuständen (z. B. Plethora-Alpdrücken).

[98] Breviar. II, cap. 51. Ein Geistlicher führte die Wunderkur aus durch ein Paternoster mit verändertem Schlußsatz. Gegen Halskrankheiten findet sich der Blasiussegen empfohlen.

[99] Auf astralen Einflüssen beruhe z. B. die Kraft gewisser Amulette, die aus Pflanzen, Tierteilen oder Mineralien gewonnen werden. Zauber sei besonders wirksam, wenn neben dem Instrumentarium die Person des Zauberers selbst vermöge des Sternbilds seiner Geburt eine entsprechende Kraft in sich trägt. Diese Kraft könne später noch durch Einflüsse der Himmelskörper verstärkt oder umgekehrt auch durch hemmende Konstellation vermindert und aufgehoben werden. Die geheimnisvollen Kräfte wirken durch Spiritus und Vapores, welche von den Personen ausgehen. Infolgedessen könne in Krankheiten ganz unbeabsichtigt ein Arzt oder ein Pfleger durch seine bloße Anwesenheit nachteiligen Einfluß ausüben, wenn er eben die geheime Kraft zur „Infektion” und Korruption des Spiritus in sich trägt, und diese Kraft noch durch eine ungünstige Konstellation verstärkt wird. (De parte operativa.)

[100] In diesem Abschnitt (Part. III, cap. 5) wird von den Brillen gesprochen. Es heißt dort nämlich von einem Augenwasser: et est tantae virtutis quod decrepitum faceret legere literas minutas sine ocularibus.

[101] Es kommen Fragen vor wie z. B.: ob das Feuer warm oder kalt ist, ob die spezifische Form eine Substanz oder ein Accidens ist, ob ein goldenes Kauterium besser als ein silbernes Kauterium wirkt u. s. w.

[102] So wird z. B. die Frage, ob die Nerven vom Gehirn oder vom Herzen entspringen, mit den Kunstgriffen der Dialektik zu beantworten gesucht. Die Frage, ob Gerstenptisane Fiebernden verabreicht werden darf, wird nach allerlei Subtilitäten in negativem Sinne entschieden, weil Gerstenwasser eine Substanz, Fieber dagegen ein Accidens sei.

[103] Pietro d'Abano sprach der Luft Schwere zu, erklärte den Regenbogen aus der Brechung der Strahlen, lehrte, daß die Aequinoktiallinie bewohnbar sei, berechnete annähernd richtig das Sonnenjahr und die Eintrittszeit der Sonne in die Hauptzeichen des Tierkreises. Was die Physiologie anlangt, verteidigte er z. B. die Ansicht, daß die Venen vom Herzen (nicht von der Leber) entspringen, daß die Respiration wenigstens quoad modum ein willkürlicher Akt sei u. s. w.

[104] Der Conciliator gehört zu den am frühesten gedruckten Werken.

[105] In Frankreich allein gab es im Anfang des 13. Jahrhunderts 2000, in den christlichen Ländern zusammen 19000 Leproserien (Sondersiechenhäuser, St. Georgsspitäler, Mesalleries).

Die Medizin im späteren Mittelalter.