At nos pauperibus praecepta feramus amica.

(v. 396-398).

Das Lehrgedicht zerfällt in 65 Kapitel; in den ersten 42 sind Rezepte gegen verschiedenartige Leiden in der Anordnung a capite ad calcem angeführt, die folgenden enthalten Heilmittel gegen Verletzungen, Fieber, Frakturen, Verrenkungen, Schlaflosigkeit, Lethargie, Epilepsie, Gelbsucht, Vergiftungen, Warzen, Hämorrhoiden. Neben brauchbaren oder doch wenigstens unschädlichen Mitteln (z. B. Seewasserhonig als Laxans, Tierbad gegen Podagra) werden auch viele ekelhafte Dinge empfohlen (z. B. Taubenmist; Mäusekot zu Umschlägen bei Brustschwellung; Bettwanzen gegen Nasenbluten; Ziegenurin gegen Blasensteine, Wechselfieber etc.). Komisch berührt es, wenn der Autor bei der Kur des Wechselfiebers zuerst das Besprechen verwirft:

Nam febrem vario depelli carmine posse

Vana superstitio credit tremulaeque parentes

(v. 939-940),

gleich darauf aber zum Gebrauch von Amuletten rät, wobei das bekannte „Abracadabra” erwähnt wird, welches wiederholt und zwar mit sukzessiver Hinweglassung eines Buchstabens ungefähr folgender Art:

A B R A C A D A B R A
A B R A C A D A B R
A B R A C A D A B
A B R A C A D A
A B R A C A D
A B R A C A
A B R A C
A B R A
A B R
A B
A

niedergeschrieben werden soll, so daß eine keilförmige Figur entsteht. Die Etymologie dieses Zauberwortes wird verschieden erklärt, z. B. aus den hebräischen Worten ab, ruach, dabar (Vater, Geist, Wort), oder ab, berech, dabar (Vater, Segen, Wort), oder abra, kad (achat), abra, d. h. vorübergegangen ist das Fieber etc. Gegen Fallsucht läßt Serenus Samonicus den fabelhaften Stein aus dem Neste der Schwalben anwenden; Kindern sollen, um das Zahnen zu befördern, Pferdezähne umgehängt werden etc. Auch der Zahlenglaube (3, 7, 9) spielt in den Rezepten eine wichtige Rolle. — Proben einer deutschen metrischen Uebersetzung von Thierfelder in Küchenmeisters Ztschr. f. Medizin 1866.

Die Medicinae ex oleribus et pomis des Gargilius Martialis (um 240) bildeten ursprünglich nur einen Teil seines großen Werkes über Landwirtschaft. Die Schrift, welche im Mittelalter sehr beliebt und häufig umgearbeitet oder exzerpiert wurde (ed. Val. Rose, Lips. 1875), handelt über die diätetischen Wirkungen und Heilkräfte von mehr als 60 Gewächsen; der Inhalt beruht vorzugsweise auf Plinius, außerdem sind aber auch Dioskurides, Galen u. a. verwertet.