[3] Vorher hatten auch die jüdischen Schulen von Tiberias, Sepphoris und Nisibis die Verbreitung einer mit griechischen Elementen durchsetzten Kultur nach dem Osten begünstigt.

[4] Als älteste Uebersetzer werden Ihiba, Pruba (Probas), Kumi (Mitte des 5. Jahrhunderts) genannt, Lehrer von Edessa.

[5] Auch in Persien haben jüdische Gelehrte (Schulen von Sura, Pumbeditha, Nehardea) nicht wenig den späteren Missionären der westlichen Bildung vorgearbeitet.

[6] Zu Chosrau Nuschirwan flüchteten die sieben Philosophen, welche Justinian von ihren Lehrstühlen in Athen vertrieb. Als Beweis seiner Aerztefreundlichkeit wird folgendes erzählt: Einer der berühmtesten Praktiker seiner Zeit, Tribunos aus Palästina, hatte den König einst mit Erfolg behandelt und war reichlich beschenkt wieder entlassen worden. Als Chosrau aufs neue nach dem Arzt Verlangen trug, war er gerade mit Justinian in Krieg verwickelt. Er schloß mit dem Kaiser einen Waffenstillstand unter der Bedingung, daß Tribunos ein ganzes Jahr bei ihm bleiben solle. Nach Jahresfrist bat Tribunos zum Lohne für seine Leistungen um die Freilassung einer Anzahl vornehmer griechischer Kriegsgefangener, und der König gewährte nicht allein diese Bitte, sondern setzte noch außerdem 3000 andere Gefangene in Freiheit.

[7] Chosrau schickte seinen Leibarzt Burzweih (Barsudje) nach Indien, um von dort Arzneien zu holen und medizinische Werke zu studieren. (Burzweih brachte außerdem das Schachspiel und die Fabeln der Bidpai mit.) — Es scheint, daß neben den Nestorianern zeitweilig auch Inder an der Akademie von Dschondisabur als Lehrer tätig gewesen sind.

Die Medizin bei den Arabern.

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Motto:
Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Occident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände.
Westöstl. Diwan.

Das Erlöschen eines jeden Wettstreits und der Mangel an frischen Triebkräften hatte die Medizin in Byzanz zur Erstarrung gebracht; seit dem 8. Jahrhundert führte sie dort trotz zeitweiligen Aufflackerns nur mehr ein Scheinleben. Glücklicherweise war das Schicksal der Heilkunde im Mittelalter nicht an Byzanz allein gebunden! Wie ein spezieller Fall des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft nimmt es sich aus, daß mit dem Sinken der geistigen Energie im Heimatlande eine zwar an Verirrungen reiche, aber doch lebendige Entwicklung der griechischen Heilkunst in der Fremde parallel läuft, daß die Medizin in der inzwischen entstandenen Welt des Islam eine Stufe erreichte, welche jedenfalls im Mittelalter unüberschritten blieb.

Der Aufschwung der Heilkunde in arabischen Landen knüpfte sich an die Machtstellung, an die erstaunlich rasch aufschießende, üppig blühende Kultur des Kalifenreiches, er beruhte auf der Neubelebung des griechischen Bildungsmaterials durch den fermentartig wirkenden Geist orientalischer Völker, die unter der siegesfrohen Fahne des Propheten zu einem Dasein voll Regsamkeit erwacht waren. Umgeackert durch die Pflugschar arabischer Tatkraft, ließ der alte Kulturboden Syriens, Mesopotamiens und Persiens, Aegyptens und Indiens aus seinen frisch gezogenen Furchen wieder eine reiche Saat emporkeimen, die wohl zumeist dem, in verschwenderischer Fülle verstreuten, Samen griechischer Gedanken entstammte, aber auch durch manche beigemischte Eigenart das spezifische Erdreich nicht verleugnete.