der Verfasser.
Inhalt.
| [Die Medizin in der Verfallszeit der Antike.] | ||
| Seite | ||
| [Allgemeine Verhältnisse] | 3 | |
| [Die Literatur] | 44 | |
| [Medizinisches in den Werken der Kirchenväter] | 75 | |
| [Die Medizin im Talmud] | 80 | |
| [Die Medizin im Mittelalter.] | ||
| [Zur Einführung] | 91 | |
| [Die Medizin bei den Byzantinern] | 93 | |
| [Die medizinische Literatur der Byzantiner] | 104 | |
[Verpflanzung griechischer Medizin] nach dem Orient durch syrische Vermittlung | 139 | |
| [Die Medizin bei den Arabern] | 142 | |
| [Literarhistorische Uebersicht] | 204 | |
| [Die Medizin im christlichen Abendlande.] | ||
| [Zur Vorgeschichte] | 233 | |
| [Die Medizin im frühen Mittelalter] | 241 | |
[Die Medizin im 11. und 12. Jahrhundert.] Die Blütezeit der Schule von Salerno | 279 | |
[Verpflanzung des Arabismus] in die abendländische Medizin | 329 | |
[Die Medizin im 13. Jahrhundert.] Arabismus und Scholastik | 338 | |
| [Die Medizin im späteren Mittelalter] | 414 | |
| [Literarhistorische Uebersicht] | 482 | |
| [Register] | 522 | |
Die Medizin in der Verfallszeit der Antike.
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Allgemeine Verhältnisse.
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In Galen hatte das Wesen der antiken Medizin den vollendetsten Ausdruck gefunden, aber der große Pergamener war auf der Schwelle des Untergangs erschienen.
Jäher gewiß, als es der Wirklichkeit entspricht, tritt der Verfall der Heilwissenschaft in jenen Schriften zu Tage, welche aus den letzten Jahrhunderten des Altertums auf uns gekommen sind; nur vereinzelt bringen sie noch Kunde von tatsächlichen Fortschritten, und die besten unter ihnen zehren von alten Traditionen, ohne sich zu frischer, lebendiger Forschung zu erheben; ja noch mehr, man empfängt den betrübenden Eindruck, daß die hippokratische Kunst bloß dahinsiecht und wenigstens in Westrom von der gröbsten Empirie, von dem absurdesten Aberglauben in den Hintergrund gedrängt wird.
Der Verfall der Heilkunde war eine Teilerscheinung des großen Sterbens der Antike, eine Folge des jahrhundertelang währenden Zersetzungsprozesses, der mit der Auflösung der antiken Weltanschauung und Kultur, mit der Trennung des hellenisierten Ostens vom Abendlande, mit dem Sturze des weströmischen Reiches endete. Unter den katastrophalen Erschütterungen des politischen, sozialen und ethischen Lebens, auf dem Boden einer Uebergangsepoche, voll innerer und äußerer Zerfahrenheit, konnte Wissenschaft und Kunst nicht gedeihen — „non habet locum res pacis temporibus inquietis” —, die Medizin aber wurde von der allgemeinen Umwälzung schon deshalb ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen, weil ihr ureigenes Gebiet sogar zeitweise als Schauplatz des Kulturkampfes dienen mußte.