H. Thümmlers Verlag.

1912.


De Weihnachtsschlietenfahrt.

De Mitglieder von Kegelklub »Feuergeister« in Altstadtel warn abn mit Kegeln fertig und ginge vir in der Gaststub, dä s' sollt noch Hauptversammling sei. 's dauret net lang, soßen se in klen Biffetstebel im Tisch rim, un war se sog, mußt zugabn, 's war werklich e feiner Verei, de paar Grußen aus'n Stadtel warn alle drinne. Der Zolleinahmer, wos dr Virstand war, ließ sich erscht noch e Tippel Bier gabn, dann fung er a. »Also, liebe Kegelbrieder, de Tagesordning fir heit is net gruß, se betrifft när die ene Frog: »Wos mach mer heier zon zweten Feiertog? War ewas derzu sogn will, oder war en rachten fein Plan hot, mog'n auspacken!« Zeerscht war e lange Paus. Dann fing der Stoll-Bruno a. »Ich denk, mer machens wie alle Gahr. Do brauch'n mer doch gar net gruß ze beroten. Ich bi derfir, doß mer wieder mit'n Schlieten fahrn!« Ka Mensch saht e Wort dazu. Alle soßen se dorten, als täten se sich de Köp zerbrachen, wies an 2. Feiertog warn sollt. Weil niemand nischt soget, saht der Virstand von Klub: »Nu, wenn alle ener Asicht sei, do ka mirsch racht sei. Ich decht när, ich hätt e mannichsmol gehert, daß heier emol wos anersch warn sollt. Ich decht, mer frogeten emol jeden, ob er a mietmacht!« 's wur net widersprochen, när der Sättlerbalbier freget zor Virsicht noch emol, ob dos e »schwarze« Partie warn sollt. Geleich bleket'n e Sticker drei Mann: »Dos verstieht sich von salber, schwarze Partie!« Bei dan, die dos sahten, verstand sichs meitwagn von salber, se warn alle dreie Gunggeselln. Die annern sahten schie gar nischt derzu. 's wullt kener tue als wär er dergegn, weil doch do die annern gedacht hätten, se ständen unern Pantoffel derhem; un 's warn aa net racht geheier zuzestimme, wegn ihrn Weibsen derhem. De Weibsen warn dan Kegelklub überhaupt net grü. Ewig kame de Manner net ehem, un wenn se kame, merket mer aa, daß se e fei wing naß Zeig dorch de Kahl hatten lafen lossen. Un vollst de Kegelräsen, dos war e Sach, wu käne ihrn Maa esu richtig traue tat. De Weibsen hatten dan Kegelklub a en annern Name gabn, aus dan »Feuergeistern« warn »Feuerrübln« gewurn. Se hatten a derhem net mit ihrer Asicht hinern Barg gehalten, un allemol, wenn ewos lus sei sollt, hatten de Manner e finkel Sorg un Angst bis se's ihrn Weibsen beigebracht hatten. 's getrauet sich drim heit kener mit der Sprach racht raus; wenn se ehem kame, wursch doch allemol of dan geschubn, darsch zeerscht gesaht hatt, un kener wollts gewasen sei. Wie drim der Einahmer esu rim freget, do warn se net alle bei der Spritz. Der Tippmann-Paul, dar ben Ball-Reuther ne Versandt hatt, freget bluß noch, öbs wieder nei ins Böhmsche giehe sollt, un do hieß geleich vun e paar Seiten, dos verständ sich vun salber. Un wie er dos gehört hatt, saht der Tippmann-Paul, er wißt noch net racht, wie's wär, 's kennt sei, er krieget ze Weihnachten Besuch. A der Budenmäster von Bahnhuf, der Schenk-Christian, war sich noch net recht enig, ar hätt engtlich zon zwäten Feiertog mit seiner Fraa zu sein Schwoger noch Neidörfl gewollt un do müßt er erscht emol mit seiner Fraa reden. Der Schmidt-August konnt's a net gewiß sogn, ob er mit derbei sei könnt, an dritten Feiertog wär Christbaamvergniegn in Militärverei, do mecht er doch a mit seiner Fraa hiegiehe, un zwä Ohmd hinerenanner wär doch ewing ze viel. A der Zeißig-Max war ogehalten, 's wär doch zu de Feiertog engtlich an schensten derhem, – kurz 's sog aus, als ob aus dar Schlietenpartie nischt warn wür. Der Nächste, dar gefregt wur, war der Mendt-Gust. Dar war net verheirat un schie sechsedreßig Gahr. Dar fing a e gruße Red ze halten un saht: »Nu horcht emol har! Dos sieht mer schie, daß heier nischt warn soll. Eire Weibsen hobn, wie mersch vierkimmt, de Nos' noch von viering Gahr voll. Nu kenne mir paar Gunggesellen doch a 's Gald net ellä verwichsen, dos weß ich aa. Dorim beatrog ich, 's warn dosmol de Weibsen mitgenomme, do werd doch e manicher sich noch besinne!« Un 's war werklich wunnerbar, do konnts of emol jeder eirichten, a die, dan's erscht net gepaßt hatt. När der Ries-Emil hatt noch ewos dergegn. Dar saht: »Wos hoben mir dervu, wenn Ihr eire Weibsen mietnahmt, mir hänge do hinten dra, wie's Schleifzeig. Wenns emol mit Weibsen sei soll, do mechten a noch e paar gunge Maadle mietgenomme warn, daß mir a ewos hobn.« Der Baumann-Arnst saht zwar, 's wär schener, wenn de Verheiraten ewing uner sich warn, do gäbs meh Schund, oder 's kunnts kener dan Karln uhne Fraa verdenken, daß se bei dar Schlietenpartie a e Weibsen hob'n wollten, un 's wuhr estimmig beschlossen, daß e Familienausflug in Schlieten gemacht warn sollt. Nu freget sich's när noch, wuhi. Do fing mei Budenmäster a. Ar saht: »Ich bi derfir, mer fahrn ins Bähmische. Do kenne de Weibsen geleich emol sahe, daß garnischt derhinner stackt, wenn mir Mannsen gern emol iber der Grenz machen, un 's werd net derhaufen Gemahr wieder, wenn mir wieder emol allä nieber wolln!« Dos drang a dorch, un de Sitzing wur geschlossen in dan Gedanken: »Mer nahme de Weibsen miet nach Böhme, daß se emol sahe, wie gut do 's Bier un der Wei is.« Dodermiet ginge se ehäm, un dosmol wecket jeder seine Fraa aus'n Schlof, wenns a im zwe'e war, un sahtersch noch, daß 'n zwäten Feiertog Familienschlietenfahrt noch Streitberg sei sollt, un dosmol gob's in ken Haus e Weiberpredigt.

Der Ries-Emil un der Seifert-Oskar ginge noch net ehem, of die tat ka Fraa lauern, die wollten noch e Tippel Bier in aller Ruh trinken. Der Ries-Emil war of der Bauschul gewasen un sollt emol sen Voter sei Bau-Geschäft ibernahme, e schiener Karl war er a, 's kunnt en drim net wunnern, wenn de gunge Maadle in ganzn Stadtl 'n Emil net gram warn. Ar hätt an alle zah Finger ene hobn kenne, er hatt oder noch net racht zugegriffen. Daß er garn mit 'n Stoll-Bruno seiner Rosel tanzet, hatten de Weibsen schie lang wagkriegt und dos kunntn a niemand verdenken, dä de Stoll-Rosel war vu de ganzn Mähd in Stadtel bal de schenste. Der Mendt-Gust lief oder a im ihr rim, un de ganzen Weibsen in Stadtel hatten sich schie de Zung bal wund geredt, wos nu do engtlich warn sullt. Daß der Ries-Emil heit Ohmd esu derfir gestrieten hat, de gunge Maadele mitzunahme, war a ne annern, zemol 'n Mendt-Gust net entgange, un dar nohm sich vir: Na wart när, eich will ich schie austreichn! Bei dar Schlietenfahrt war ich emol mit dar Stoll-Rosel die Sach in richting Geleis brenge. Aa der Ries-Emil saht in der Nacht noch zun Seifert-Oskar: »Ich war bei dar Gelangheet dan ewing Gemahr e End machen, eper paßt's, daß ich mit'n Stoll-Bruno in en Schlieten fahrn ka. Der Seifert-Oskar freiet sich drauf, daß e ganz Hardel gunge Maadle derbei sei sullt, dar war derfir, daß de Maadle in en Schlieten komme sollten un de Gunggeselln a mit nei. Dos passet oder 'n Emil net, er saht: »Do hobn mer 'n Mendt-Gust a egal of der Huck!« Der Oskar tat oder sen Freind noch versprachen, daß er, wennr kennt, 'n Emil halfen wollt, daß er an der Rosel ewing naa käm. –

De nächsten verzehn Tog gobs in ganzn Stadtel esu viel of Weihnachten ze tue, daß de Schlietenpartie derweile ewing of der Seit geroten war. När der Mendt-Gust un der Seifert-Oskar trafen sich emol bein Dietz-Nodler in Loden bein Eikafen; 's mußt oder ener 'n anern himmelhuch versprachen, nischt ze verroten, wos se eigekaft hatten.

Ein Weihnachten war in den Gahr, esuviel Schnee hatt's seit mer sich besinne kunnt, net gabn. Un dodrine sahten a alle Leite, wie se ne zwäten Feiertog aus der Kerch kame: »Na, die Feiergeister hobn oder ein Gelick, sette feine Schlietenbah!« 's war oder a wahr. 's schneiet när e klä Finkel, kalt warsch aa soot, daß net taue konnt. Un noch der Kerch hörets a auf ze schneie un de Sonn schien ewing, 's konnt net schener sei. In ganzen Stadtel merket mer, daß ewos lus war. Ofn Mark zenstimmering[1] standen e Haufen Kiner. Oder a gruße Leit standen do, ja, e paar Weibsen, die aus der Kerch kame, schaffeten ne Paster sen Segn net gleich ahäm, nä, die bliebe, mitn Gesangbuch an Muff nagequetscht, ofn Mark bei der Kerchgass' traten, daßen se a alles einahme konnten. 's dauret a net lang, gings lus. 's klinglet de niedere Stroß rauf un e Schlieten kam ageflugn. De ganzen Leit kriegeten längere Häls'. Der Schlieten war grußartig hargericht un drinne soßen der Einahmer un der Schmidt-Gust mit ihrn Weibern un ne Schmidt-Gust seiner Valeska. Hinten of der Pritsch stand der Sättler-Balbier. Der ganze Schlieten war mit blaa un galbn Stoff behängt. Un nabn der Pritsch war e gruß Banner nagebunden, do warn lauter Flamme draufgemolt, un in der Mitte stand »Feuergeister«. Su schie wie dos Banner war, ne Einahmer warsch egal in Wag, er wußt net wie er sen Kup halten sollt, egal stieß er sich an darer Firma. Der Sättler-Balbier hatt sich fein rausgeputzt. Ueber seiner Wintermitz hatt er sich en grußen Pappzylinder gestilpt, of dan warn lauter Starnle un in der Mitte e paar gruße Kröppertaubn, un drunner stand: